Über VeloVici

VeloVici – wörtlich übersetzt: „Ich habe dem Segel besiegt“, ist natürlich kein sinnvoller Titel im Sinne der Lingua Latina. Die moderne Sprachrezeption aber macht es möglich, zwei völlig unterschiedliche Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung zusammen zu bringen. So soll hier VeloVici den Siegeszug des Fahrrades darstellen, das offensichtlich immer deutlicher eine realistische Alternative zum umweltschädlichen Individualverkehr darstellt, – eben ein umweltfreundlicher Individualverkehr. Velo Venit, Velo Vicit, könnte man den Titel ausschreiben.

Haben alle die gleichen Rechte auf der Straße?

Ein erster wichtiger Aspekt dabei ist die Stellung des Fahrradfahrers im alltäglichen Verkehr bezogen auf die Stellung der anderen Fortbewegungsmittel: Auto, Bahn, Schiff. Die zwei letzteren kollidieren nicht mit dem Raumanspruch eines Fahrrades, sind daher unkritisch zu bewerten. Bleibt das Auto, die Straße, bleiben die Regeln auf der Straße. Ist das Fahrrad gleichberechtigt als Fortbewegungsmittel anerkannt? Sind die straßenbaulichen Maßnahmen ausreichend, um eines Tages sagen zu können: Alle haben die gleichen Rechte auf der Straße? Man erkennt schon an dieser Formulierung, dass diese provokante Frage nur eine Antwort haben kann. Nein, wir sind noch weit entfernt davon.

Nun ist es ja so, dass in den letzten Jahren einige Fahrradwege hinzugekommen sind. Fast jeder Flusslauf, jeder See, jeder Naturpark hat inzwischen Fahrradwege. Zumindest in Deutschland, Schweiz, Benelux, – die Autos dürfen dort nicht hin. Das ist gut so und führt dazu, dass das Fahrradfahren einen hohen Freizeitwert besitzt. Um aber als alltägliches Fortbewegungsmittel zu dienen, ist dieser Ansatz zu wenig. Das Fahrrad muss ähnlich dem Auto in der Lage sein, alltags tauglich zu sein, ein Mittel zu sein, um von A nach B zu kommen. Dann reichen die Fahrradwege nicht aus, allzu oft muss man dann doch auf die Straße ausweichen. Und wenn solch eine Straße dann eine Bundesstraße ist, läuten die Alarmglocken.

Solche Situation kennt jeder: kaum Platz für das Fahrrad, dafür schneller Fernverkehr

Es geht auch anders

Gleiches gilt für die Regeln im Straßenverkehr. Überwiegend werden die gleichen Regeln für Fahrradfahrer wie für die Fußgänger angewendet, Die Autos, vor allem auf Schnellstraßen, an großen Kreuzungen haben immer den überproportionalen Vorrang. Dabei geht es auch anders, wie es die Niederlande zeigen (siehe Beitrag „Fahrradfahren in den Niederlanden“).

Und schließlich geht es um die Sicherheit beim Radfahren. Kreuzungen und Ampelschaltungen, die rechtsabbiegenden Fahrzeugen erlauben, dem Fußgänger und dem Radfahrer die Vorfahrt zu nehmen, sind lebensgefährlich und erlauben die Vermutung, dass hier mit Vorsatz so geplant wird.

Wann ist das Fahrradfahren gleichberechtigt mit dem Autofahren?

Wann kann man sagen, dass Fahrradfahren mit dem Autofahren gleichberechtigt ist? Dann, wenn:
1) Ich auf Fahrradwegen bzw, verkehrsberuhigten Straßen die gleiche oder mehr Auswahl habe, von A nach B zu kommen
2) Die Verkehrsregeln, die Vorfahrtsregeln, die Ampelregelungen so angewendet werden, so dass hier Gleichberechtigung besteht
3) Die Sicherheit des Radfahrens überall installiert ist.

Doch das Fahrrad dient nicht nur als Fortbewegungsmittel. Auf Reisen kommen viele weitere Aspekte hinzu: Umweltfreundlich, gesund, die Sinne wecken. Das sind die ich-bezogenen Aspekte – und dann gibt es noch die erlebnis-bezogenen Aspekte: Natur erleben, Kommunikation den anderen kulturellen Regionen, Essen, Trinken und – ui, in den Werbeprospekten weniger oft aufgeführt: extensive Landwirtschaft, Abholzung, Umweltzerstörung, Waldbrände, Trockenheit, Plastik, verschmutzte Gewässer, eben auch solch verstörenden Zusammenhänge, zu dem sich jetzt auch noch der Klimanotstand gesellt.

Tourismus, man muss es nicht mögen. Hier Calp

Zusammenfassung:

Dieser Blog will ein Forum für alle Eindrücke und Zusammenhänge des Fahrradfahrens sein. 
Daher mein Aufruf, bitte beteiligt Euch und schildert hier im Blog Eure Meinungen, Eindrücke, Erlebnisse. Stimmt ihr mir zu? Was meint ihr? Sind nicht weitere Aspekte zu berücksichtigen?

Hangelt Euch durch das Menü, findet Euer Thema. Wenn jemand meint, da fehlt ein wichtiges Thema, schreibt mir eine mail an BInderst@ikforum.de oder postet einen Kommentar.
Vielen Dank, Euer

Bernhard Inderst

6 Antworten auf „Über VeloVici“

  1. Hört sich interessant an! Ich freue mich auf die Beiträge zum Thema Fahrrad und Natur – vor allem vor dem Hintergrund der Klimakrise finde ich einen solchen Blog sehr spannend! 🙂

  2. Sehr interessant! Das Radfahren in unserer Zeit verändert sich, es wird ein wenig zur Philosophie. Ich freue mich auf die angebotenen Beträge und werde auch Kommentare dazu abgeben.

  3. Lieber Bernhard,
    hat mir sehr gut gefallen dein Reisebericht. Besonders die Passagen, wo du auch über deine eigenen Befindlichkeiten berichtest, weil ich denke, dass neben der körperlichen Anstrengung fast mehr noch die psychologische Belastung eine enorme Herausforderung ist. Es hat mich an meine erste Interrail-Reise so mit 18 erinnert. Da bin ich auch alleine losgefahren und das Gefühl der Einsamkeit, das manchmal ganz schön heftig sein kann, ist mir in bleibender Erinnerung. Auf der anderen Seite ermöglicht es aber auch ganz andere Arten von Begegnungen und Beziehungen, als bei einer Reise zu zweit oder zu mehreren, vielleicht sogar intensivere?
    Liebe Grüße, Stefan.

    1. Lieber Stefan,
      Danke für deinen Kommentar,
      Du hast recht, auf meiner 6-monatigen Reise Fahrradtour nach Lissabon und zurück war ich mehr als einmal etwas unsicher darüber, was diese Reise mit mir macht. Immerhin sechs Monate allein auf dem Fahrrad und nicht alle Strecken waren nun so sehenswert, dass man alle anderen Gedanken vergessen konnte. Oftmals auf den stinkigen Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehr, wo mehr als einmal Autos und LKWs gefährlich nahe kamen, das alles erzeugt Fragen, warum ich das mache, ja bis hin zu der Frage, ob ich das überleben werde. Ein großer Lichtblick war aber, dass in regelmäßigen Abständen meine Frau mich besuchen kam und wir so und ganz nebenbei auch etwas stationären Urlaub machen konnten. Nun, am Ende habe ich überlebt und nachträglich war diese Reise so unvergesslich, dass ich natürlich weitere Ausflüge plane. Auch wenn es dieses Jahr wegen Corona etc wohl nur ein kürzerer Ausflug sein wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.