Radfahren in Westdeutschland

Überblick:
Teil 1: Von Heidelberg nach Köln
Teil 2: Von Köln nach Unna
Teil 3: Von Unna nach Gronau

Der Begriff Westdeutschland ist etwas schwierig abzugrenzen. Auf meiner Reise rund um Deutschland und den Niederlanden behandelt dieser Abschnitt meine Fahrten von Heidelberg bis Enschede in den Niederlanden. Meine Strecke südlich von Heidelberg kann man hier nachlesen, die nördlich von Enschede hier.

Meine letzte Tour durch Deutschland machte ich im Sommer 2019.

Teil 1: Von Heidelberg nach Köln

Baden Württemberg

Ich beginne meinen Beitrag durch Baden-Württemberg in Heidelberg, der alten Schloss- und Universitätsstadt auf den Weg nach Mannheim.

Am Neckarkanal in Mannheim
Das Schloss in Mannheim

Rheinland-Pfalz

Ab Mannheim will ich die Abkürzung nach Bingen nehmen, also Mainz links liegen lassen, was ich deshalb bereue, weil quer durch die Pfalz die Strecken sehr anspruchsvoll sind (hügelig mit steilen Abschnitten) und zu dem auch noch starker Gegenwind herrscht. Überhaupt ist nachmittags an ein gemütliches Radeln nicht mehr zu denken. Ab drei Uhr fängt der Wind an zu blasen und artet mehr als nur einmal zu einem veritablen Sturm aus. Leider ist keine Erntezeit für den Wein, sonst würde ich die vielen Pfälzer Weinverköstigungen auf dem Weg erleben.

Der Campingplatz bei Bad Dürkheim
Eine typische pfälzer Speisekarte
Das größte Weinfass in Bad Dürkheim, immerhin mit 1,7 Mio l Fassungsvermögen – als Restaurant umgearbeitet
Durch die Weinberge – hier bei Freinsheim
… aber auch landwirtschaftliche Versuchsfelder mit schwer zu befahrenen Radwegen, hier bei Mölsheim
… oder hier,- nur die strapazierbaren Reifenmäntel können überleben .
Alzey – die Fachwerkhäuser in der Innenstadt
Alzey – es kommen nicht sehr viele Touristen hierher
Der Nahe Zufluss in den Rhein bei Bingen
Das Schloss Burg Rheinstein gegenüber Assmannshausen
Auf der Euro 15 mit vielen Burgen rechts und links des Rheines. Gut ausgebaut, aber laut durch zwei Zugstrecken und Autostraßen – der Fahrradweg entlang des Rheines
Blüchers Rheinübergang bei Kaub, die Gedenktafel. 1814 überschritt hier Blüchers Armee den Rein, um die französische Armee von Napoleon anzugreifen.
Burg Schönburg bei Oberwesel, welche heute ein Nobelhotel ist
Überfüllte Rheinufer – wie hier an der Loreley

Etwas enttäuscht bin ich von der Rheinstrecke zwischen Bingen und Köln, vorbei an der Loreley, Koblenz. Ich erinnere mich von früher, dass das Rheintal wunderschön ist, – zumindest aus dem Zugfenster gesehen. Aber da hört man nicht, dass es auf beiden Seiten eine Bahntrasse gibt, über die der komplette Nord-Süd Güterverkehr roll – auch nachts, wenn man auf einem der relativ schmalen Campingplätze im Zelt liegt und versucht zu schlafen. Da auch noch eine Bundesstraße am Rhein liegt, benötige ich tatsächlich Ohrstöpsel, um einigermaßen ausgeruht aufzuwachen. Ich verstehe nicht, wie Menschen dort wohnen können, zumal das Tal relativ dicht besiedelt ist. Bis Bonn sind dann eine Burg nach der anderen zu sehen, ein Schloss nach dem anderen. Der Radweg, de EuroVelo Weg 15 ist natürlich gut ausgebaut und auch sehr gut befahren.

Die Innenstadt von Boppard am Rhein

Aber man merkt, dass hier Geschichte geschrieben worden ist. Das Schloss Burg Rheinstein, Blüchers Gedenktafel, die Brücke von Remagen, die Burg Auf Schönberg“ , die Villa Hammerschmidt, all diese geschichtsträchtigen Bauwerke liegen direkt am Weg.

Schloss Stolzenfels bei Lahnstein
AKW Mühlheim-Kärlich bei Koblenz, – in Koblenz wird die Euro 15 kurzfristig unterbrochen und man muss seinen Weg selber suchen.
Dann geht es wieder weiter am Rhein- auf den Weg nach Bonn – Köln
Der rechtsseitige Brückenkopf der Brücke von Remagen. Um den Vorstoß der Westalliierten zu stoppen, versuchte die Wehrmacht noch im März 1945 die Brück zu zerstören. Umsonst. Als die Alliierten auf die andere Seite übergesetzt hatte, stürzte sie schließlich doch ein. Im Film von David Wolper 1969 und dem Roman von Rolf Palm, beide mit dem Titel ‚Die Brücke von Remagen‘, wird das sinnlose Schlachten in diesen Tagen geschildert.

Teil 2: Von Köln nach Unna

Nordrhein-Westfalen

Köln Deutz- der Bahnhof, 1859 eingeweiht, wird im Volksmund als „Muusfall “ (Mausefalle) bezeichnet
Die Silhouette von Köln, Blick von den Rheinauen rechtsseitig des Rheins

Rein ins Bergische

Mein Ziel ist es, von Köln aus ins Bergische zu fahren, genauer nach Hückeswagen bei Remscheid, um meinen Bruder zu besuchen. Danach soll es weitergehen nach Münster, wo meine Tochter wohnt. Von Münster aus will ich dann in die Niederlande radeln, d.h. bei Enschede die Grenze überqueren Es ist eine Entscheidung, die durch eine hügelige Landschaft führt, bis nach das Münsteraner Flachland beginnt.

Die ehemalige Eisenbahnstrecke nach Hückeswagen mit diesem ehemaligen Eisenbahntunnel, heute eine wunderschöne Fahrradstrecke im Wald

Den Abstecher von Köln nach Bergisch Gladbach und Hückeswagen mache ich auf einer stillgelegten Bahntrasse. Sie ist asphaltiert und trotz der hügligen Landschaft geradlinig zu befahren. Dieser Weg ist absolut empfehlenswert und wenn ich dann in einen ehemaligen Bahntunnel eintauche, kann ich mir die alten Dampflokzüge noch vorstellen, wie der Qualm die Rundbögen des Tunnels schwärzt.

Die Müngstener Brücke über die Wupper bei Solingen. Sie ist immerhin die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands mit 107 Metern. Sie wurde bereits 1897 eröffnet und verbindet auch heute noch Solingen und Remscheid.
Im LWL Freilichtmuseum bei Hagen kann man alte Werkstätten, wie Seilereien, Schmieden und Mühlen u.v.a. besichtigen.
Liebevoll sind im LWL Freilichtmuseum bei Hagen die alten Handwerks-Werkstätten wiederaufgebaut worden. Sie stammen fast alle aus dem Ende des 20. Jahrhunderts und man Vorführungen zeigen, mit welcher Mühe damals die einfachsten Gegenstände hergestellt wurden.

Teil 3: Von Unna nach Gronau

Fischmarkt in Unna Innenstadt

Runter ins Münsterland

Auf dem Weg nach Münster
Das historische Rathausaus dem 16 Jahrhundert in Werne, eine ehemalige Hansestadt
Norddeutsches Fachwerk in der Innenstadt von Werne, hier die Rückseite des Rathauses
Ohne Ankündigung! Ist Euch das auch schon passiert? Hier im Sommer 2019 in Overberge bei Bergkamen.

Weiter nach Münster über Lennep und Hagen – genau der Übergang vom auf und ab der hügeligen Landschaft in die münsteraner Ebene. Ab hier ist es im Wesentlichen flach, einzig der Wind weht stärker, – und natürlich mir entgegen, zumindest gefühlt.

Münster Innenstadt- hier die Lambertskirche

Münster ist eine der größten Universitätsstädte Deutschlands. Die gesamte Stadt ist drauf ausgerichtet, möglichst viele Student*Innen aufnehmen zu können.

Die schön hergerichtete Innenstadt zeugt von einer abwechslungsreichen Geschichte, in der der Westfälische Friedensschluss vom 24.10.1648 wohl einer der nachhaltigsten Ereignisse darstellt. Der Friedensschluss beendete den dreißigjährigen Krieg in Deutschland nd den 80 (!) jährigen Unabhängigkeitskrieg der Niederlande (gegen die spanische Krone)

Münster zählt auch als Fahrradstadt. Auch wenn viele Radwege vorhanden sind, gibt es allerdings wichtige Verbindungen, deren Radwege schlecht ausgebaut und / oder markiert sind.

Im Sommer 2018 verwandelte sich aufgrund der großen Hitze der Ausflugsort in Münster, der Aasee, in ein Massengrab für Fische und Wasservögel. Das stehende Wasser des Stausees hatte diesen so aufgeheizt, dass die Fische zum großen Teil verendeten. Über der Stadt stand einige Tage lang eine Dunstwolke der Verwesung.

Die Uni Münster im Schloss von Münster

Im Nordwesten von Münster auf dem Weg nach Enschede
Ein Outlet Center hinter einer historischen Fassade in der Laurenzstr. in Ochtrup
Die Fußgängerzone in Ochtrup
Die Kirche St. Antonius in Gronau. Hier herrscht das Flair einer Grenzstadt mit sehr vielen Einkaufsmöglichkeiten.

Von hier zur niederländischen Grenze ist es nicht sehr weit, über Ochtrup und Gronau, tauche ich ein in ein anderes Land, mit anderen Fahrradregeln. Die Grenze ist nicht zu spüren. Ich überquere eine Straße, die nur für Busse zugelassen ist, also auch nicht für Fahrräder. Aha, ich bin in den Niederlanden! Davon mehr im Beitrag „Radfahren in den Niederlanden“.

2 Antworten auf „Radfahren in Westdeutschland“

  1. Wie findest du denn die Fahrradwege in München?

    Ich bin neulich nach Berlin gezogen (davor in Münster gelebt, vielleicht hat das meine Sicht auf Berliner Radwege noch verstärkt), und war erst mal nicht sonderlich begeistert über die Fahrradwege in Berlin. Manche enden plötzlich auf halber Strecke und machen einem dicken, ausgewachsenen Baum Platz… Und das ist noch der bessere Fall, denn manche führen auch plötzlich und unvorhergesehen auf viel befahrene, große Straßen.

    Jetzt kann man natürlich sagen, dass Fahrrad fahren in Berlin dadurch etwas aufregender wird als an anderen Orten, und da ist sicher auch etwas Wahres dran. Ich aber für meinen Teil bin jetzt einfach dazu übergangen, öfter auf Fußwegen zu fahren, wenn Fahrradwege zu gefährlich sind. Das kann ja irgendwie auch nicht die Lösung sein…

  2. Also ich kenne das sehr gut auch von München. Wobei ein Baum noch die charmantere Variante ist, meistens enden die Radwege einfach so, weil sonst nicht genug Platz für Autos wäre, ob stehende oder fahrende… Es wird einem einfach ständig vermittelt, dass Straßen für Autos da sind und Bürgersteige natürlich für Fußgänger (und letzteres würde ich als leidenschaftliche Fußgängerin auch gerne so beibehalten…) Man muss wirklich an der eigenen Perspektive rütteln, denn oft hat man sich so in die Autologik eingefunden, dass man sich dankbar über die wenigen guten Radwege freut – statt sie als einen zentralen und eigentlich selbstverständlichen Teil städtischer Infrastruktur zu betrachten.

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