Radfahren in Spanien

Überblick:
Teil 1 : Durch Catalunya und Mallorca
Teil 2: Von Valencia bis Ayamonte
Teil 3: Von Badajoz nach Salamanca
Teil 4: Von Salamanca nach San Sebastian/Donostia

Teil 1: Durch Catalunya und Mallorca

Ich durchquere Spanien von Südosten nach Südwesten, von Zentralspanien nach Nordosten, Ich komme von Perpignan, auf der französischen Seite und überquere die Pyrenäen auf der legendären römischen Handelsroute Via Domitia und komme in La Junquera in eine Grenzstadt, in der überall gehandelt wird, LKWs ihre Ladung wechseln. Aber die Flora ist südländisch. Überall sieht man den Ginster blühen.

Bunte Berglandschaft in den Pyrenäen – hier bei Capmany in den Pyrenäen

In Spanien gibt es wenige reine Radwege, es gibt nur drei Routen im Eurovelonetz – die Nr. 1 (Nord-Süd), Nr 3 (Norden) und die Nr 8 (Süd). Für den Rest muss man sich daran gewöhnen, auf dem Seitenstreifen der Nationalstraßen fahren zu müssen, was übrigens geduldet wird. Die Seitenstreifen sind mindestens 1,5 Meter breit, das reicht aus, bequem darauf zu radeln, allerdings mit einer erheblicher Lärmbelästigung. Die Autofahrer sind angehalten, 1,5 Meter Abstand zu halten, woran sich die meisten halten. Das habe ich in ganz Europa so nicht erlebt, obwohl die Regel überall gleich ist.

Catalunya

Dali – Museum in Figueres

Spanien – hier Katalonien befindet sich in Aufruhr. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen werden mit harter Hand bestraft. Politiker werden ins Gefängnis gebracht, gewählte Bürgermeister werden abgesetzt. Überall sind die sichtbaren Zeichen des Protestes zu sehen – eine gelbe Schleife. Sie steht für die Aufforderung: Lasst die Gefangenen frei!

Catalunya – Sichtbares Zeichen des politischen Konfliktes: Lasst die Gefangenen frei
Girona- mit der ungeraden Kathedrale
Strand in Blanes im Frühling Anfang Mai – noch ist es einsam
Steile, wilde Küste an der Costa Brava bei Mataró
Menschen tanze auf der Straße in Badalona

Ich komme nach Barcelona, eine der wichtigsten Industriemetropolen Spaniens. Die Menschen machen Gruppentanz auf der Straße, wie im Bild in Badalona. Barcelona hat eine sehr schöne Innenstadt. Sehr bekannt ist La Rambla, eine Allee durch die Innenstadt. Mit dem Fahrrad lässt sich die Innenstadt in ein paar Stunden erobern, Prachtbauten überall, die zeigen, dass Barcelona ein reiche Stadt ist. Aber es sind sehr viele Tourist_innen – ganzjährig- dort. Und die Wohnungspreise sind so hoch, dass die Bewohner der Stadt ins Umland zurückgedrängt wurden.

Barcelona – enge, kleine Innenstadt – hier im Regen

Mallorca

Mallorca -steile Badeküste bei Sa Rápita

Von Barcelona mit dem Schiff nach Mallorca. Diese Insel hat sehr viele wild zerklüftete Uferpassagen, ein Flair vom Mittelmeer. Wenn nur nicht die vielen Tourist_Innen wären. In den Sommermonaten werden allein 100.000 Mietautos (2017 laut www.mallorcazeitung.es) auf der Insel sein. Die Bevölkerung wehrt sich. Die Wege auf Mallorca sind kanalisiert durch Mauern und Zäunen, entweder als Besitzschutz oder aus Naturschutzgründen vor dem Betreten durch die Tourist_Innen. Ein Besuch mit gemischten Gefühlen. Die Spaziergänge und Radfahrten durch die Landschaften und am Meer aber sind durch ihre Unterschiedlichkeit absolut empfehlenswert.

Alle Badegelegenheiten werden auf Mallorca genutzt – auch die steilen Felsen als Sprungschanze
Das meiste Gebiet auf Mallorca ist gesperrt – wegen Privatbesitz oder wegen Naturschutz
.. dennoch ist ein Spaziergang direkt an der Küste ein Genuss
Die Kathedrale in Palma ist eine der großen Touristenattraktionen, aber auch schon im Mai einfach überlaufen

Teil 2: Von Valencia bis Ayamonte

Communidad Valenciana

Wieder an Land in Valencia. Ich hatte Orangenhaine erwartet, mir begegnen aber Reisfelder. Die Gegend hat viel Wasser, sodass die Orangen mehr im Hinterland zu finden sind.

Valencia – majestätischer Plaça de l´Ajuntament
Um Valencia- Reisanbau – nicht jeder Kanal führt sauberes Wasser
Auf den Weg nach Alicante – moderne Strandgebäude, aber dreiviertel des Jahres leerstehend
Calp – die Bettenstadt mit dem Penyal d’Ifac
Palmenpark vor Alicante – Park aus dem Märchenland

Aus Alicante selbst kann ich nicht viel berichten. Auf der Durchreise konnte ich nichts Aufregendes entdecken, außer einem riesigem Yachthafen, der den Blick zum Meer verstellt. Der Palmenpark aber etwa 10 km außerhalb von Alicante ist eine Sehenswürdigkeit. Ein riesiger Botanischer Garten mit Wasserfall. Dieser Park hat mir sehr imponiert.

Jede Menge Salzgewinnung auf dem Weg nach Torrevieja
Der Fahrradweg von San Javier nach Murcia, die Autobahn ist begradigt, der Radweg .. nicht
Murcia – die Blumenstadt – in einem der trockensten Gebiete Spaniens

Andalucia

Mitten im Juni – die Sierra Nevada bei Granada

Endlich in Granada, die unglaubliche Stadt, in der die Vergangenheit die Gegenwart berührt. Alles in dieser Stadt atmet Alhambra, die gotische Kathedrale steht in dessen Schatten, nicht nur historisch,sondern auch topologisch in der unteren Altstadt. Der Campingplatz liegt 10 km außerhalb auf einer Anhöhe, von welcher man in der Abendsonne die Alhambra sehen kann.

Granada steht auch heute noch im Schatten der Alhambra
Zugang zu einem der zahlreichen Gärten in der Alcazaba in der Alhambra
Jeder Kalif baute neue Gärten mit immer wieder eigenen Stilen in der Alhambra

Weiter geht es nach Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens. Diese Stadt gehört zu den drei historischen Städten Córdoba, Granada und Sevilla. Mich erwartet ein sagenhafter Reichtum an gewaltigen Gebäude, Plätzen und Parkanlagen. Man taucht ein in eine Welt, in der man in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart leben und fühlen kann. Allein die Tatsache, dass Sevilla eine der größten Innenstädte Europas hat deutet an, was man darin alles entdecken kann. Obwohl auch hier touristisch sehr gut besucht, fällt diese Menge an Menschen allenfalls nur dann richtig auf, wenn man eine Eintrittskarte in den Palácio Real El Alcázar lösen will und etwa eine Stunde Wartezeit in der Sonne in Kauf nehmen muss. Aber es gibt eine Lösung und die heißt auch hier: Vorkauf im Internet. Ansonsten kann man vielem viele Tapas Bare entdecken. Man kann sich verlaufen, aber mit dem Fahrrad ist es ein wunderschöner Tagesausflug. Es lohnt sich, hier mehrere Tage zu verbringen.

Sevilla – die alte Universität
Sevilla- der Plaza de España – ein klein Venedig
Im Palácio Real de Alcázar in Sevilla – wieder wunderschöne Gärten und Höfe

Auf dem Weg nach Portugal durchquert man die Naturparks von Doñana und Odiel. Sie sind mit dem Auto nur begrenzt zu durchfahren, aber Fußgänger und Radfahrer sind erlaubt. Ein Naturschauspiel der besonderen Art. Speziell der Park de Odiel ist riesiges Rückzuggebiet für alle Vogelarten, die hier auf dem Weg von Afrika nach Nordeuropa Rast und Brutzeit einlegen.

Die Marismas del Odiel sind nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen – ein Naturpark und Vogelnistplatz für viele Zugvögel

Teil 3: Von Badajoz nach Salamanca

Estremadura

Das Stadttor von Badajoz

Welch ein Unterschied, aus der Stadt Elvas in Portugal nach Badajoz zu fahren. Hier herrschen wieder die unifarbenen Hochhäuser, ist das Leben in der Sonne mittags ausgestorben. Will nicht heißen, dass der Plaza de España als zentraler Platz nicht seinen majestätischen Reiz ausstrahlt.

Übrigens: Wer durch Spanien fährt, der soll mal versuchen, eine Stadt zu finden, die keinen Plaza de España besitzt. Um ehrlich zu sein, ich habe keine kleinere und mittlere Städte gefunden, die einen solchen Platz NICHT haben. Man stelle sich vor, in Deutschland hätte jeder mittlere Stadt einen Deutschlandplatz. Mein Schreibprogramm zeigt bei diesem Wort einen Schreibfehler an, – auch ein Zeichen.

Mérida – Haupstadt Lusitaniens in der Römerzeit mit seinem Theatron

Ich habe auf meiner ganzen Reise keine Stadt gesehen, die so sehr von den Ausgrabungen der Römer geprägt ist wie Mérida, ca 60 km nördlich von Badajoz in der Estremadura gelegen. Das Amphitheater allein wird als Kulisse für ein Freilufttheater wieder aufgebaut. Wie man im Bild oben sehen kann, ist auch das zweite Stockwerk der Kulisse fast soweit fertiggestellt, dass es als Theaterbühne mit integriert werden kann.Wirklich sehr beeindruckend, sodass ich gleich mehrere Tage hier verbrachte.

Schnurgerade die Straße (mit dem Standstreifen als Fahrradweg) nach Cáceres

Cáceres – wer weiß schon, dass Cáceres das Rückzuggebiet von Franco war? Sie nahm beim Putsch unter Franco am 17.07.1936 eine zentrale Rolle ein, denn sie unterstützte den Putsch, – die erste Aktion bestand darin, erst einmal jeglichen Widerstand brutal zu unterdrücken. Die erste Aktion der Militärs war, 600 Oppositionelle in der Stadt zu ermorden (!). Die Grenzstädte nach Portugal wurden sofort okkupiert, unter anderem Mérida und Badajoz, viele Menschen erschossen. Dass Cáceres über ein Jahr lang auch das Hauptquartier Francos war und dass deutsche Waffenlieferungen über Sevilla nach Cáceres geliefert wurde, wird heute nicht mehr sichtbar. Hat solch eine Stadt ein schlechtes Gewissen? Ich glaube nicht, wir würden in München angesichts unserer Geschichte erst recht ein schlechtes Gewissen haben müssen.

Gänsegeier am Straßenrand vor Cáceres

Castilla y Leon

Salamanca – die klerikale Hochschulstadt

Teil 4: Von Salamanca nach San Sebastian / Donostia

Und wieder Sonne, Weite, Monokultur – hier zwischen Salamanca und Tordesillas
Die alte Stadt Tordesillas am Duero

Abgesehen davon, dass Tordesiilas eine sehenswerte Stadt ist, liegt diese Stadt am Fluss Duero, der als Douro in Portugal durch das berühmte Weingebiet des Portweines fließt. Es gibt schöne Parkanlagen und der Campingplatz liegt direkt am Fluss mit Blick auf die Altstadt. Aber ich frage mich, wer regelt eigentlich die gerechte Teilung des Wassers zwischen zwei Länder?

Der Kampf ums Wasser

Welch ein Machtfaktor ist der Besitz von Wasser, wenn der andere im Unterlauf eines Flusses auch von dem Wasser abhängig ist – gerade in Zeiten, wo jeder der benachbarten Staaten Stauseen baut, um Klimaschwankungen auszugleichen. Ich verstehe, dass ein Fluss durch mehrere Staaten schon immer auch Kriegsgrund gewesen war und immer noch ist. Der Staat, der den Oberlauf besitzt, hat es letztlich in der Hand, zu bestimmen, wieviel Wasser durchgelassen wird. Zwar verpflichtete sich Spanien im Abkommen von Albufeira 1998 dazu, eine Mindestmenge an Wasser aus den Flüssen nach Portugal durchzulassen. Doch das Abkommen sieht auch Ausnahmen vor, von denen Spanien immer wieder Gebrauch macht, z.B. wenn Dürresituationen die profitträchtigen Obstplantagen um Valencia oder die Blumenplantagen um Murcia in Gefahr bringen. Auch sonst hält Spanien ca. 40 Prozent des Wassers, welches eigentlich nach Portugal fließen würde, in 880 Wasserprojekten zurück – mit verheerenden Auswirkungen für die Ökosysteme der Wasserunterläufe.

Stadtstrand am Pisuerga in Valladolid
Auch hier am Pisuerga verläuft der EuroVelo 1
Die gotische Kathedrale in Burgos. Dort ist El Cid aufgebahrt
Zwischen Burgos und dem baskischen Hinterland nur Erde und Himmel und Einsamkeit

Euskadi

In den baskischen Ausläufer der Pyrenäen – hier südlich von Miranda del Ebro
Bizarre Felsformationen im baskischen Hinterland. Der Fahrradwer verläuft hier auf dem Seitenstreifen der N1, eine viel befahrene und daher aute Route.
San Sebastian, die mondäne Grenzstadt mit eigenem Badestrand

Es stimmt: Durch Spanien zu fahren, ist so sehr anders, als durch Portugal oder Frankreich zu radeln. Aber es hängt auch sehr stark von der Gegend/der Provinz ab, welche Flora, welche Landschaft, ja sogar, welche regionale Kultur man entdecken kann. Während im Binnenland oft weite, eintönige Landschaften vorherrschen (vor allem in Estremadura, Castilla und Castilla y Leon), sind die Landschaften an der Küste mitunter ungemein vielfältig. Dabei spielt immer die Landwirtschaft eine gewichtige Rolle. Monokulturen versus Mischkulturen. Beide Seiten gehen fast immer mit den Besitzverhältnissen einher. Großgrundbesitz versus Kleinbauern. Das mit dem Fahrrad zu entdecken, ist besonders intensiv, weil alle Geruchswechsel, Schatten- und Sonnenwechsel auf dem Fahrrad besonders stark wirken.

Das alles ist ungemein reizvoll und bereichert.

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