Radfahren in Frankreich

Teil 1: Von Genf ans Mittelmeer
Teil 2: Am Mittelmeer
Teil 3: Von Hendaye nach Royan
Teil 4: Von Royan nach Orleans
Teil 5 : Von Orleans nach Karlsruhe

Frankreich ist das Land, welches mitteleuropäisches Klima und Mittelmeerklima besitzt. Daher kann man auf einer Fahrradreise durch dieses Land erleben, wie die Flora, die Gerüche und die Landschaften sich langsam ändern. In der Mitte überwiegen die Laub und Fichtenwälder, im Süden sind es die Pinienwälder und Lavendelfelder. Die Luft wird warm, dazu kommen im Süden die vielen Étangs, das sind Lagunen, die aus dem Mittelmeer gespeist werden. Auch die Fauna ändert sich, Flamingos und Reiher sind plötzlich zahlreich zu sehen. Sie stochern in den Lagunen nach Nahrung.

Teil 1: Von Genf ans Mittelmeer

Im französischem Jura Gebiet

Ich fahre von Genf nach Perpignan, durch das Jura, die Rhône hinunter, an der Mittelmeerküste entlang.

Immer wieder wird die Rhone durch Staustufen unterbrochen – wie hier bei Seysell

Die Rhône (auf französisch Le Rhône) ist einer der am meisten benutzten Flüsse in Frankreich mit 550 km Länge. Fünf Kernkraftwerke und eine größere Nuklearanlage in Marcoule benutzen das Rhônewasser zur Kühlung. Allein das Unternehmen CNR unterhält neunzehn Wasserkraftwerke an der Rhône.

Die Rhone als wilder Bergfluss bei Chanaz
Strassenlampenschmuck in Villefontaine – sog. Shoefiti. Wenn jemand weiß, warum die Schuhe aufgehängt werden, bitte mir schreiben. Eine Legende besagt, dass dies Schuhe sind, die beim Skaten oder BMX Fahren durch das Bremsen besonders schnell abnutzt sind.
Kein Fahrradweg auf dem Strecke nach Lyon

In Lyon gesellt sich die Saône zur Rhône, es wird ein breiter Strom, die Schifffahrt nimmt zu. Neben dem Fluss aber verlaufen die Voies Vertes, durch Buchen- und Birkenwälder verlaufende Fahrradwege. Sie werden rege besucht. Von Nord nach Süd wird man unterstützt durch den Mistral, ein mitunter heftig wehender Wind.

Voie verte von Lyon nach Avignon
Straßenmotiv in Valence
Schuhmuseum in Valence
Der Lavendel erblüht – hier bei Orange
Steilfelsen mit Burg bei Mornas /Rhone

Auch das gibt es: Mornas, ein planerischer Sündenfall, der unterstreicht, dass Straßenbau oft auf Kosten der einheimischen Bevölkerung geht: Unterhab der Burg befindet sich die alte Kleinstadt Mornas, ein Juwel vergangener Zeit. Heute schmiegt sich am Felsen mitten durch die Stadt die Eisenbahnlinie der Strecke Paris-Marseille, auf der anderen Seite der Stadt die Hauptverkehrstraße N7 und nur 200 Meter weiter die A7, die Autobahn von Lyon nach Marseille. In der Stadt selbst kann man sein Wort nicht verstehen, so laut wechseln sich Autolärm mit Güterzügen und TGVs ab.

Das Amphitheater in Orange
Avignon… sur le pont

Teil 2: Am Mittelmeer

Am Meer in La Grande Motte

Am Mittelmeer angekommen. Ab jetzt wechseln sich die Lagunen und Sandstrände ab. Aber die Stranddörfer sind Urlaubsunterkünfte, die meisten für Besuchern der großen Städten Nîmes, Montpellier und Narbonne.

Die Voies vertes durch die Étangs im Süden
Am Canal du Midi
Große Lagunen bei Leucate
Via Domitia über die Pyrenäen bei Villeneuve-de-la-Raho

Ein Fahrradweg schlängelt sich von Perpignan die Pyrenäen hoch. Vorher erreicht man noch den Ausflugsort Villeneuve-de-la-Raho, ein großer Baggersee mit einem Fitnesspark. Es ist der alte römische Handelsweg Via Domitia. Oben auf dem Gipfel beginnt Spanien.

Teil 3: Von Hendaye nach Royan

Die Steilküste im Golf von Biscaya

Biscaya ist die Bucht um San Sebastian bis Bayonne. Sie ist geprägt von einer Steilküste. Auf der Westseite in Frankreich kann man abends wunderbare Sonnenuntergänge beobachten.

Durch die Gascogne an der Küste entlang

Die ‚Les Landes‘ bestehen aus aufgeforstetem Kiefernwald. Kleine Fahrradwege durch den Wald erlauben es, auf dem EuroVelo1 (in Frankreich auch Velodyssée genannt) weg ca 200 km nach Norden zu radeln. Die Gegend ist stark bedroht durch Waldbrände. Sehr imponiert hat mir daher, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um die Gefahr einzudämmen. Neben großen Schneisen sind vor allem Baumerdbeere angepflanzt worden. Diese sind immergrüne Bäume und dämpfen eine Fortpflanzung des Brandes deutlich.

…im Wald 200 km lang – in der Gasgogne – die EuroVelo 1
Baumerdbeeren werden gegen die Waldbrandgefahr angepflanzt
Erhabene Düne – hier in Pyla, Europas höchste Düne

Vor der Bucht von Arcachon – Europas größte Austernbänke- wieder ein Superlativ: die höchste Düne Europas – Pyla. Sie wandert langsam landeinwärts. Unvergessen der Sonnenuntergang auf dem Gipfel der Düne.

Die Kanonenbatteri Fort des Arros Soulac, die die deutsche Marine 1942 erbaut hat und deren Erstürmung durch die französischen Kräfte im April 1945 ca 1000 Soldaten auf beiden Seiten das Leben gekostet hat.

Die Küste von Bayonne nach Royan ist voll von Bunker, die die deutsche Marine in den 40-50- Jahren gebaut hat. Eine gut erhaltene Kanonenbatterie kann man in Soulac-sur-Mer sehen. Sie ist als Denkmal ausgebaut und ein gutes Wahrzeichen über die Sinnlosigkeit des 2. Weltkrieges. Der Bunker war so gebaut, dass er nur in Richtung See verteidigen konnte. Bei der Eroberung durch französische Truppen im April 1945 starben ca 1000 Soldaten auf beiden Seiten. Man frägt sich zurecht: warum?

Teil 4: Von Royan nach Orleans

Das Amphitehater in Saintes

Saintes an der Charente war im römischen Reich immerhin die Hauptstadt der Saintonge, Das kann man an den Ausgrabungen noch erkennen. Das wuchtige Amphitheater war eines der monumentalsten Theater, welches die Römer damals erbaut haben. Heute ist die Stadt eine eher unbedeutende, aber sehr sehenswerte Stadt, vielleicht noch bekannt durch eben diese Ausgrabungen als alte Kulturstadt der Saintogne.

Felsenhöhlen an der Loire (1)

Auf dem Weg von Saintes nach Saumur an der Loire passierte ich u.a. Niort, Parthenay, Thouars. Diese Stätte liegen im Landesinneren und die Landschaften sind geprägt von einer großflächigen Landwirtschaft und vor allem den ländlichem Strukturwandel. Die Dörfer sterben aus, weil die Infrastruktur ausstirbt. Das aber kennen wir auch in Deutschland, speziell Niederbayern.

Die Städte selbst aber sind total sehenswert, speziell Thouars, welches sich bereits im Einzugsbereich der weiteren Loire befindet. Hier kann man bereits des öfteren den Pruk der alten Schlösser sehen, wie z.B in Montreuil-Bellay.

Felsenhöhlen an der Loire (2)

An der Loire sind drei Dinge zu sehen: alte, reiche Städte (Saumur, Tours, Amboise, Blois, Orleans), viele Burgen (es sind wirklich viele, jede hatte ihr kleines Reich zu verwalten) und die wunderschönen Felsenhöhlen, die heute überwiegend als Kunstateliers und Sektkellereien verwendet werden.

Das Schloss von Saumur (Loire)
Das Schloss von Amboise
Die Kathedrale von Blois
AKW bei Blois
Die Kathedrale von Orleans,
Trambahnen mit induktiver Stromzufuhr

Teil 5: Von Orleans nach Karlsruhe

Der nächste Sprung erfolgt von Orleans nach Troyes, vorbei an Montargis und Sens. In Sens spürt man den Einfluss Paris‘, es ist nur noch 80 km davon entfernt. Diese Strecke hat ein eigenes Flair, denn es ist unterwegs einsam, es geht hügelig rauf und runter. Allerdings auf Autostraßen, hier gibt es keine ausgewiesenen Fahrradwege. Die mitteleuropäische Flora hat mich mittelerweise wieder fest im Griff.

In der Innenstadt von Troyes

Troyes hat mehrere sehr große, alte Kirchen und eine Kathedrale. Daneben aber eine Innenstadt, die wirklich mittelalterlich anmutet. Ich finde, ein Besuch wert.

Oktoberfest in Froncles mit 100 verschiedenen Bieren

Mitten in Grand Est geht es durch den Parc Naturel Régional de la Forêt d’Orient, ein großer Naturschutzpark mit vielen Stauseen. Hier sind die Fahrradwege wieder gut ausgebaut und führen auf den Uferbefestigungen der Seen. Mit dem gestautem Wasser werden die Flüsse, wie die Mosel, für die Schifffahrt reguliert. Hin und wieder gibt es Parkanlagen für Ausflügler, sehr schön, mit Strand, Parks und Campingplätzen versehen.

Das Münchner Oktoberfest hat auch in den kleinen Gemeinden in Frankreich Einzug gehalten. Hier wirbt man allerdings nicht für das Münchner Bier, sondern mit vielen Hunderten Sorten Bier aus Nordfrankreich und Belgien.

In der gold verzierten Innenstadt von Nancy

Eine prunkvolle Stadt ist Nancy, eine der größten Universitätsstädte in Frankreich. Die Innenstadt glänzt vor Goldverzierungen, die auch Laternenmasten erfassen. Der Campingplatz liegt vier Kilometer vor Nancy auf einem steilen Berg, eine kleine Herausforderung für tägliche Besichtigungen in der Stadt.

Am Marne-Rhein Kanal bei Lutzelbourg

Ich fahre weiter am Marne-Rhein Kanal. Er verläuft leicht abwärts und ist beliebtes Ausflugsgebiet für Yachten und Familienväter, die sich als Kapitän fühlen wollen. Das erspart mir das Überqueren der Vogesen. Zahlreiche Staustufen bewirken, dass ich mit dem Fahrrad ungefähr doppelt so schnell an dem gut ausgebauten und wunderschönen Fahrradweg fahren kann. Ich treffe dann auf den Rhein, neben dem auf den beiden Länderseiten der EuroVelo 15 durch die Rheinauen führt.

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