Mit Rad und Zelt – immer der Nase nach

Eine Buchbesprechung des gleichnamigen Buches

Angekommen im Westen: Strand am Atlantik in Portugal

„Mit Rad und Zelt – Immer der Nase nach“
Die Neuentdeckung Westeuropas – eine Reise von München nach Lissabon und zurück

Ich wurde oft gefragt, warum noch ein Fahrradbuch? Es gibt doch schon so viele davon, die die wunderschönen Landschaften, Flussläufe, Bergtouren beschreiben. Was also macht dieses Buch hier anders?

Um das zu beschreiben, was mich dazu bewegte, solch ein Buch zu schreiben, will ich einen naheliegenden Vergleich wagen.

360 Grad Sicht

Auf meiner Reise nach Süden begegnete ich viele schöne Aussichten, Gebäude, Plätze. Sie tauchen immer wieder in schönen Fotografien auf, – Postkartenmotive, tausendfach geknippst und verschickt. „Ich bin gerade hier, hier ist es sooo schön“, der fast stereotype Begleittext dazu. Meist noch mit strahlend blauem Himmel im Hintergrund. Ja, die habe ich auch gesehen, ich habe auch manches Motiv in ähnlicher Weise verschickt. Aber es sind häufig potemkinsche Postkartenmotive. Sie zeigen die eine Fassade des gerade Gesehenen. Schon eine Drehung der Kamera um 90 Grad und das Bild zeigt einen überfüllten Parkplatz, Einkaufshäuser, hochgezogene Hotelanlagen. Ein Paradebeispiel hierfür ist die wunderschöne Strandkulisse in Albufeira in der Algarve. Aber ich denke auch an die Küstenstraßen an der Costa del Sol, Calp und Benidorm, die Lagunenstädte an der französischen Mittelmeerküste. Plätze, die ähnliche Einschränkungen besitzen. Es sind Plätze, dem Tourismus und Massenkonsum untergeordnet, ohne Sinn und Verstand hochgezogene Infrastrukturen, damit diese Postkartenmotive möglichst vielen Menschen mit ihrem Privatauto zugänglich gemacht werden können. Hin und wieder sehe ich auch Gegenbeispiele, wo die Privatautos z.B. verbannt sind und Shuttledienste die Menschen zu den Zielen bringen, z.B. in den Nationalparks an der Loire oder die Alhambra in Granada.

„Glaube keinem Postkartenmotiv, das du nicht selbst in seiner Umgebung gesehen hast“, könnte eine der Maxime sein. Erst eine 360 Grad Sicht zeigt, ob das Motiv wirklich so schön ist.

Wer kennt das nicht? Hotelburgen an schönen Stränden – wie hier in Monte Gordo (Portugal)

Halbkugelsicht

In Zeiten von Flugverkehr, Industrieschlote, Verkarstung der Gebirgslandschaften lohnt es sich auch, mal nach oben zu schauen. Man könnte hinzufügen, eigentlich ist eine „Halbkugelsicht notwendig, um vermitteln zu können, was wirklich dahintersteckt. Also neben links und rechts auch nach oben zu schauen und die Eindrücke eines Gesamtbildes wirken lassen.

Es ist mein Versuch in diesem Buch, die durchreisten Gebiete in dieser Halbkugelsicht zu beschreiben. Was heißt das? Zunächst heißt das, nicht nur die Highlights sondern auch die Lowlights dessen, was ich sehe und erlebe, zu beschreiben. Es sind wundervolle Erlebnisse, aber auch ein manches Mal enttäuschende Situationen, die vielleicht in dieser Form kein zweites Mal mehr passieren können, Eine Fahrt durch den Wald, ein Aufenthalt am Strand, eben schöne, relaxierende Situationen, aber auch überfüllte Touristenorte, drängeln, aufpassen müssen, damit nichts gestohlen wird, teure Restaurants mit schlechtem Essen, all das passiert sicherlich jedem einmal und sollte in den Gesamteindruck mit einfließen. Beispiel: das völlig überfüllte Barcelona, oder die Insel Mallorca, das völlig überfüllte Porto, Negativbeispiele für den überforderte Städte durch einen überbordenden Tourismus (besonders in Saisonzeiten, aber nicht nur dann) – obwohl wunderschöne Städte, zumindest von der Architektur und von ihrer reichen Geschichte.

Politische Kontexte erkennen

Darüber hinaus versuche ich, politische Kontexte, seien es allgemeinpolitische, oder umweltpolitische oder kulturpolitische Aspekte mit einzubinden, denn sie gehören zu diesem Westeuropa genau so dazu wie die einzelnen Sehenswürdigkeiten, die ja selbst auch einen historischen Bezug haben.Eine wichtige Rolle hierfür spielt die Landessprache. Nach wie vor für mich nicht vorstellbar ist es, dieses Halbkugelverständnis entwickeln zu wollen, ohne zumindest etwas von der jeweiligen Landessprache zu verstehen. Das Verstehen der Landessprache, und sei es auch nur radebrechend ermöglicht mir, mit der Bevölkerung Kontakt aufzunehmen, ihre innere Gedankenwelt mit zu erleben. Glaubt mir, damit sieht man ein Land, eine Region mit vollständig anderen Augen.

In diesem Blog sollen alle zu Worte kommen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Oder mir widersprechen wollen. Was habt Ihr denn gesehen, erlebt. Es müssen keine Beiträge sein, die genau die Länder/Strecken bearbeiten. Andere Gegenden und Strecken, andere Erlbenisse bereichern den Blog, befähigen, die Aussagen zu vertiefen, sind willkommen.


© Maria Sauheitl

Das war die Strecke, die ich zurückgelegt habe und im Buch beschrieben habe.