Radfahren in Süddeutschland

Überblick:
Teil 1: Von München nach Heidelberg
Teil 2: Von München nach Konstanz

Teil 1: Von München nach Heidelberg

Jedes Jahr nehme ich mir vor, ein paar Monate auf dem Rad und mit dem Zelt zu verbringen. 2019 waren Deutschland und Holland dran. Ich will westlich nach Amsterdam, dann rüber nach Hamburg und Stettin, von dort zurück die Lausitz und über Leipzig wieder zurück nach München. Dieser Teil beschreibt die Strecke und Beobachtungen, die ich Bayern und Baden-Württemberg mache.

Ich fahre also von München nach Heidelberg, von dort nach Bingen bis Köln, rüber ins Bergische, dann nach Münster. Spätestens dort bin ich in Deutschlands Tiefebene angekommen. Die Architekturen der Häuser und Sehenswürdigkeiten verändern sich auf dem Weg permanent. In Münster kann man bereits den nahen Einfluss der Niederlande spüren.

Meine Tagestouren betragen durchwegs zwischen 55 und 80 km, sind also sehr gemütlich, mit reichlich Zeit, mal einen Abstecher in die Städte zu wagen. Ich übernachte auf Zeltplätzen, was an Flüssen, Naturparks nicht so schwierig ist, aber abseits der Städte meistens in den Freizeitregionen und das heißt schon mal, ein paar Kilometer Umweg zu fahren.

Da ich oft querfeldein fahre, bin ich oft abseits der großen Straßen. Geplant habe ich die Strecken mit einer Fahrrad-App, die mir von jeher ein gutes Hilfsmittel war.

Durch Bayern und Baden Württemberg sind die Strecken erwartungsgemäß sehr hügelig, es gibt Richtung Augsburg, Ulm, Sinsheim, Heidelberg nicht viele Radwege, aber dafür viele landwirtschaftlich genutzte Feldwege, die fast überwiegend geteert sind.

Der Blockhausturm in Burgau- die Einfahrt in die Innenstadt
Das Schloss Leipheim mit Kirche
Durch den Wald, frisch hergerichteter Weg mit spitzen, unbefestigten Split durch die Schwäbische Alb bei Stubersheim,- nur schwer zu befahren
Nach dem Abstieg des Aichelbergs die hügelige Ebene bei Geislingen an der Steige
Das Rathaus in Kirchheim unter Teck
Das Wasserhaus als Stauwehr über den Hammerkanal bei Esslingen, bei der Einmündung in den Neckar. Es hat ein Walmdach und dient als Fußgängerüberweg über den Kanal.
Der Schelztorturm am Roßneckerkanal in Esslingen, wahrscheinlich im 13 . Jhrdt gebaut. Die Figur als „Skywalker“ kam erst 1989 dazu, stellt heute eines der Wahrzeichen Esslingens dar.
Schloss Rosenstein in Stuttgart, es beinhaltet auch das Naturkundemuseum Stuttgart
Im Stuttgarter Schlossgarten, ein grüner Ausflugsort für alle Stuttgarter*Innen
Das Schloss in Ludwigsburg
Historische Felsen an der Enz bei Bietigheim
Der Kölleturm in Bönnigheim
Weinberge bei Brackenheim an der Württemberger Weinstraße
Das Auto und Technik Museum in Sinsheim
Straßenszene in Neckargemünd
Der Neckar bei Neckargemünd
Das Karlstor vom Westen von Heidelberg
Das Heidelberger Schloss

Der Campingplatz in Heidelberg liegt etwas außerhalb direkt am Neckar, was ihn abends eine gute Stimmung verleiht, auch wenn man dort nicht baden kann. In Heidelberg selbst besuche ich meine Nichte, die dort studiert. Heidelberg selbst selbst lebt von seinen Student*Innen, aber auch von den Tourist*Innen. Die Innenstadt ist voll von ihnen und sehr lebendig. Entsprechend groß ist das Angebot an Restaurants und Kneipen.

Meine weiteren Touren durch Westdeutschland kann man hier nachlesen.

Teil 2: Von München nach Konstanz

Blick auf Buching am Bannwaldsee

Dieser zweite Teil dieses Beitrages handelt von einer Tour von München nach Konstanz. Sie ist eigentlich nur der Anfang einer großen Tour nach Lissabon. Die entsprechenden Beiträge sind in diesem Blog nachzulesen. Ich habe viel Gepäck aufgeladen: 24 kg, da ich auch meine Zeltausrüstung mitgenommen habe.

Ich fahre also in München durch den Forstenrieder Park, an der Autobahn entlang, runter nach Percha, rauf nach Berg, am Schlösschen Berg vorbei, jenem Schloss, von wo aus der Erzählung nach König Ludwig II am 13. Juni 1886 in das Wasser des Starnberger Sees ging und sich selbst das Leben genommen hat – so zumindest die offizielle Version. Doch diese Version enthält viele Ungereimtheiten, viele Indizienfunde widersprechen der Darstellung, seither blühen die Verschwörungstheorien. König Ludwig II wurde in München in einer Gruft der Michaelskirche in der Fußgängerzone bestattet, sein Herz dagegen kam in die Gnadenkapelle nach Altötting.

Aus der Ebene emporragend: Das Schloss Neuschwanstein
Der Niedersonthofener See im Frühling
Anstieg in die Berge bei Niedersonthofen
Durch den Wald an den Hängen der Alpen auf der EV6
Lindau am Bodensee

Ich komme auf einen der am meisten befahrenen Fahrradwege Deutschlands – den Bodenseeweg von Lindau nach Konstanz. Hier muss ich aufpassen, denn viele der Radfahrer sind das Fahren nicht gewohnt. Auch sehe ich sehr viele, meist ältere Damen und Herren mit einem E-Bike. Tja, das E-Bike macht es möglich, den Straßen zu entfliehen und relativ gemütlich am Ufer des Sees entlang Ausflüge zu machen, selbst dann, wenn man eigentlich nicht mehr die Kraft hat, ein Fahrrad selbst anzutreiben. E-Bikes verändern die Mobilität im Seniorenalter, E-Bikes verändern das Freizeitverhalten. Eine gute Sache, denn diese Menschen sind dann erst einmal weg vom Auto.

Weinberge zwischen Hagnau am Bodensee und Meersburg
Mit der Fähre von Meersburg nach Konstanz
Es ist zwar Kreuzlingen, welches hier beginnt, aber da wollten sich die deutschen Behörden wohl nicht festlegen….

Radfahren in Ostdeutschland

Überblick:
Teil 1: Von Usedom nach Guben
Teil 2: Von Guben nach Leipzig

Auf meinem Radweg rund um Deutschland bin ich auch den Oder-Neiße Radweg von Nord nach Süd gefahren, ehe ich dann nach Westen Richtung Leipzig abgebogen bin. Radfahren in Ostdeutschland ist der Abschnitt, der von Usedom nach Leipzig führt und den ich hier im Blog beschrieben will. Den vorhergehende Abschnitt, meine Radtour entland der Nord- und Ostsee kannst du hier nachlesen.

Die Strecke ist in zwei Abschnitten unterteilt, in die Oder-Neiße Strecke und in die Strecke Guben nach Leipzig. Die Unterteilung macht deshalb Sinn, da der erste Teil entlang des Oder-Neiße Radweges führt.

Teil 1: Von Usedom nach Guben

Es sind einsame Landschaften durch Vorpommern-Greifswald, durch die Uckermark, das Märkische Oderland, dann durch das Oder-Spreeland hindurch. Zunächst fahre ich mit der Fähre nach Ückemünde, durch das Stettinhaff, ein fischreiches Gewässer, was mich aber durch die braun-graue Farbe nicht zum Baden einlädt. Ückermünde liegt etwas landeinwärts und so fährt die kleine Fähre erst einmal eine zeitlang auf der Ücker zum Anlegeplatz. Mich erwartet eine schöne Kleinstadt.

Von Kamminke (Usedom) nach Ückemünde – hier die Einfahrt in den Kanal der Ücker

Abstecher nach Polen

Ich will nach Szczecin/Stettin in Polen. Es ist eine schöne, aber sehr einsame Strecke, am Neuwarper See entlang, durch Wiesen und Wälder. Mir begegnet kilometerweit kein Haus, kein Fahrrad, kein Auto. Manchmal bleibe ich stecken, da die Feldwege, die mir meine App anzeigt, vollständig versandet sind und ich mühevoll schieben muss. In Dobieszciyn komme ich über die Grenze. Da der Grenzverkehr moderat ist, stört es mich nicht, auf der Hauptstraße fahren zu müssen. Allein in Stettin stört mich schon, dass die Straßen fast alle zu Baustellen verwandelt worden sind, ohne dass ich einen Bauarbeiter sehe. Stettin hat einen sehr sandigen Untergrund, und so schiebe ich das Fahrrad wieder durch den Sand der aufgerissenen Straßen. Ich beeile mich, in die Stadtmitte zu kommen, durch den Park Jana Kasprowicza, den wohl schönsten Platz in Stettin, dann wieder 10 km raus aus der Stadt auf den Campingplatz. Es gibt neben den autobahnmäßigen Ausfallstraßen auch Fahrradwege, die aber nicht gepflegt sind. Hier ist Fahrradfahren noch nicht angekommen!

Auf einem Hochstand mit Blick auf den Neuwarper See Nähe Ahlbeck
Von Ueckermünde einen kurzen Abstecher nach Szczecin (Stettin) in Polen machen. Achtung: hier gibt es nur wenige Fahrradwege!

Allein, ich will ja an die Oder, die hier bis nach Gartz weiter im Süden in zwei Flüsse aufgeteilt ist, in die Westoder und die Ostoder. Ich fahre also die Westoder bis nach Gryfino auf der polnischen Seite, bevor ich mich entschließe, die Grenze zu wechseln, da ein Radfahren auf dieser Seite zu gefährlich ist. Es gibt, wie geschrieben, keinen eigenen Radweg, und Nebenstraßen haben meist ein Kopfsteinpflaster, so dass es sehr mühsam und langsam ist, hier vorwärts zu kommen.

Der Oder-Neiße Radweg

Auf der Westseite der Westoder befindet sich ein wunderschöner Radweg, der in Schwedt in den Oder-Neiße Radweg mündet. Dieser begleitet mich dann bis Guben über 200 km weit. Kilometer für Kilometer immer der Grenze entlang, hier die deutschen Grenzsteine, 200 Meter nach links die polnischen Grenzsteine, dazwischen das Odertal, als Nationalpark Unteres Odertal geschützt. Hier ist kein Auto, kein Dorf, nur hin und wieder eine kleine Wirtschaft zu sehen. Biber haben den Bestand an Birken soweit dezimiert, dass fast keine mehr zu sehen sind, dafür aber die abgenagten Baumstämme. Allein hier zu sein, macht einsam und ich bin froh, nach Schwedt zu kommen, um wieder Menschen zu sehen.

Einsame, aber gut ausgebaute Radwege entlang der Oder
Immer dem Oder-Neiße Radweg nach – hier durch Gartz an der Oder

Doch Schwedt scheint ausgestorben. Es ist nachmittags und ich fahre durch die Innenstadt, ohne eine Geschäft und Mensch zu entdecken. Ist das das Paradies in der Uckermark, von dem alle so schwärmen?

Die Biber haben hier ihr Revier
Über die Welse im Nationalpark Unteres Odertal (verläuft parallel zur Elbe)
Die Kirche Mariä Himmelfahrt im Zentrum von Schwedt (Oder) im Zentrum

Auf dem weiteren Weg komme ich nach Frankfurt/Oder. Diese Stadt hat eindeutig zwei Gesichter. Alte, wiederaufbereitete Stadtviertel neben Plattenbauten, auf denen großflächig für die Bundeswehr geworben wird. Für mich als Pazifist ein sehr ambivalentes Bild.

Plattenbauten und Bundeswehrwerbung in Frankfurt/Oder
Der zentrale Brunnenplatz in Frankfurt/Oder. Trotz vieler Bemühungen für Attraktivität bleibt auch hier die Dominanz eines großen Parkplatzes. Muss das sein?

Urlaub am Helenesee

Wieder mehr Natur, – so fahre ich zum Helenesee, einem der schönsten Badeseen in Brandenburg. Es sind hier gerade mal 100 km nach Berlin und das ist an schönen Sonntagen zu spüren. Die wenigen Bademöglichkeiten sind überfüllt mit Touristen.

Am Helenesee in Brandenburg

Die Stadt Eisenhüttenstadt entstand erst in den 1960-Jahren als Wohnstadt für das Eisenhüttenkombinat Ost. Dass die Stadt auch heute noch für die Verhüttung von Eisen steht, kann man überall sehen, große Denkmäler und all dominierende Hochofenanlagen zeugen davon. Der Ortskern besteht aus einem großem Platz mit flachen Gebäuden rings herum. Auch sonst sind die Wohnhausreihen in lockeren Abständen aufgestellt. Seit der Wiedervereinigung hat sich die Bevölkerungszahl fast halbiert, so sehr schlägt die Strukturschwäche dieser Region hier durch.

Die Innenstadt von Eisenhüttenstadt

Guben ist eine geteilte Stadt, der Ortskern liegt im polnischen Teil. Dort heißt die Stadt Gubin und ist Opfer der Grenzziehung nach dem zweiten Weltkrieg, als die Oder als Grenze festgelegt wurde. 90% der Stadt wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Wilhelm Pieck, der erste Staatspräsident der DDR ist dort geboren worden, weshalb die Stadt auf deutscher Seite auch Wilhelm-Pieck-Stadt Guben heißt. Als Sehenswürdigkeiten sind die schönen Parkanlagen anzusehen.

Teil 2: Von Guben nach Leipzig

Die nächste Station nach Guben ist Cottbus oder Chóśebuz auf Sorbisch. Doch zuvor komme ich durch Peitz, welches dominiert wird durch ein gigantisches Kohlekraftwerk (Jänschwalde). Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur verursacht das Kraftwerk die dritthöchsten Schadenskosten aller europäischen Industrieanlagen. Das war 2011. Interessant, zwischen dem Hüttenweg und der Maustmühle kann man entlang den Peitzer Teichen radeln, in denen sich eine der größten Fischzuchten Deutschlands befindet.

Gigantisches Kohlekraftwerk in Peitz

Ich befinde mich in der Niederlausitz und ich treffe auf den Weg nach Cottbus zum ersten Mal auf die Spree, die sich auf den Weg nach Berlin befindet. Mich hat diese Stadt imponiert, nichts von der etwas zerfallenen Morbidität der verlassenen Städte woanders in Brandenburg, sondern eine alte, lebendige Stadt, voller Sehenswürdigkeiten. Auch die Wege durch die Parkanlagen, wie z.B. der Käthe-Kollwitz Park, sind liebevoll angelegt und laden zum Radfahren ein.

Cottbus, eine schöne Stadt mit vielen alten Gebäuden, hier der berühmte Spremberger Turm
und das Raumflugplanetarium „Juri Gagarin“

Auf der Weiterfahrt komme ich durch die Wälder rund um Spremberg. Es ist sehr einsam hier, viel Wald, allein zu sein, erzeugt hier merkwürdige zum Teil gruselige Gefühle, nicht zuletzt durch die erhebliche Brandgefahr, die von diesen Wäldern ausgeht. Schließlich erreiche ich die Talsperre Spremberg, an dem ein Campingplatz offen hat, immer noch im Wald allerdings ohne Verpflegungsmöglichkeit. Ich unterhalte mich einem ehemaligen Baumfäller, der mir aus der Geschichte dieses Waldes berichtet. Hier befanden sich früher russisches Militär und Kohlereviere. Nach der Wende wurde alles stehen und fallen gelassen, und ein monotoner Wald hochgezogen, Kiefern, wohin das Auge blickt. Sie sind heute alle ca 30 Jahre alt und habe es zu einer stattlichen Höhe gebracht.

Waldbrandgefahr

Das Problem: Wegen der vielen Stauseen und Seen und durch den Rückzug des Kohleabbaus sinkt der Grundwasserspiegel, was die Brandgefahr, auch durch die Monokultur bedingt, erheblich vergrößert. Ein weiteres Problem: Als die Militärs sich zurückzogen, hinterließen sie die die Flächen ungeräumt, überall liegen noch Munitionsreste herum,- eine Tatsache, die eine eventuelle Brandlöschung erheblich behindert. Ich habe nur da und dort große Brandschneisen gesehen.

Einsamer Campingplatz an der Spremberger Talsperre
Einsame Wege durch die Lausitz rund um die Talsperre Spremberg. Im Sommer herrscht hier große Brandgefahr.

Mondlandschaft durch den Braunkohleabbau

Auf den Weg nach Dresden komme ich an Welzow vorbei, ein riesiges Braunkohleabbaugebiet. Ich fahre durch das Gelände, es ist wie in einer Mondlandschaft. Die komplette Gegend besteht aus dreierlei: a) Mondlandschaft mit tiefen, tiefen Gruben, gefährlich für jeden, der sich an die Ränder begibt, b) Seen mit Steinufern, für Badetouristen bis auf ausgezeichnete Stellen verboten. Die Steine sind rostbraun, ein Zeichen für viel Eisen im Wasser. Sie dienen der Absicherung der steilen Ufer. c) Wald, fast ausschließlich Monokultur, Kiefern, etwa 10 Jahre alt. Bei uns im Bayern sagt man „Stangerlacker“ dazu. Alte Dörfer wurden aus dem Gebiet entfernt, wie manche Schautafeln diesem Gebiet bezeugt. Es ist gruselig.

Kilometerweite Mondlandschaften: Braunkohleabbau in der Lausitz

An der Elbe rund um Dresden

Endlich erreiche ich die Elbe. Dresden ist nicht weit. Am Elbufer befindet sich der Elberadweg, der von Prag kommt und bis nach Cuxhaven führt. Er ist sehr gut ausgebaut und wird mich von hier bis nach Riesa führen, etwa 75 km von Dresden nach Nordwesten. Es macht Spaß, durch Dresden mit dem Fahrrad zu fahren. Wie andere große Städte auch, ist auch diese Stadt in überschaubarer Zeit zu durchfahren. Klar, die Semperoper, die Frauenkirche, Zwinger, alles Denkmäler, die man gesehen haben sollte. Imponierend aber auch die Villen und Schlösser links und rechts der Elbe entlang.

Ich mache einen Ausflug nach Pirna, etwa 20 km südöstlich von Dresden. In der Marienkirche in der schön hergerichteten Innenstadt mit dem Marktplatz nehme ich Platz und höre Studenten zu, die an der Orgel der Kirche ihre Übungen absolvieren. Ein schönes Sonderkonzert für mich. Da gerade Wahlsonntag 2019 Landtagswahl – ist, bekomme ich mit, dass etwa 34 Prozent die Rechtsaußenpartei gewählt haben, obwohl Pirna noch im Jahre 2008 den Preis für den „Ort der Vielfalt“ verliehen bekommen hat, weil rechtsextremistische Gewalttaten um die Hälfte abgesunken sind.

An der Elbe zwischen Pirna und Dresden

Auf den Weg nach Leipzig

Auf den Weg nach Leipzig besuche ich Meißen, die wohl schönste Kleinstadt in Sachsen. Nicht nur das Meißener Porzellan ist hier entstanden, auf die berühmten Sachsen Weine sind hier zuerst kultiviert worden, um nur zwei der wichtigsten Errungenschaften zu nennen. Herausragend hoch auf dem Berg steht der Dom zu Meißen, den zu besuchen, auf jeden Fall lohnt.

Blick aus dem Dom in Meißen
Die Elbe zwischen Meißen und Riesa

In Riesa biege ich nach Osten und durchfahre Oschatz und Grimma. Beide Städte sind kleine Städte mit schön hergerichteten Stadtmitten. Sie liegen im Herzen Sachsens. Grimma liegt an der Mulde, ein kleiner Fluss, an dessen Ufer sich schöne Rad und Wanderwege befinden.

Brunnen von 1589 uf dem Neumarkt in Oschatz

Ein Wort zur Infrastruktur der ländlichen Gegenden. Die Dörfer sind verlassen, Geschäfte kaum mehr anzutreffen. Die Menschen brauchen ein Auto, um allein den nächsten Bäcker aufzusuchen. Da auch der ÖPNV zurückgefahren wurde, ist es selbsterklärend, warum eine derart große Landflucht existiert. Es gibt da durchaus ein Nord-Süd und Ost-West Gefälle, das heißt, je nördlicher und je östlicher man sich befindet, desto ausgeprägter diese Erfahrung. Man sollte sich am Anfang des Tages mit Wasser eindecken, es könnte sein , dass man unterwegs keinen Laden mehr antrifft. Das finde ich sehr traurig, weil ich in Gesprächen erfahre, dass die Infrastruktur früher bessert ausgeprägt war.

Die Hängebrücke als Tor für Fahrradfahrer nach Grimma

Das Rathaus von Grimma

Endlich in Leipzig

Leipzig ist die quirlige Stadt Sachsens, dort wohnt mein großer Sohn mit seiner Familie. Man spürt, dass hier eine lebendige Kneipen- und Subkultur existiert. Auch wenn die Innenstadt nun soweit hergerichtet wurde, dass zumindest die Fußgängerzonen sich von denen anderer Großstädte kaum mehr unterscheiden, existieren noch die Stadtviertel, in denen die alten Wohngebäude dominieren, wie in der Südvorstadt, in Plagwitz oder in Gohlis. Hier gibt es sie noch, die kleinen Läden, Cafés und Kneipen. Unvergessen auch eine Fahrt an der weißen Elster und durch den Clara-Zetkin Park.

Doch schon an der Stadtgrenze merkt man, dass die Modernisierungen der Neuzeit nicht darüber hinausgehen. Der Stadtrand unterscheidet sich nicht von den Dorfstrukturen in Sachsen. Auch ist Leipzig umgeben von Windrädern und einem Kohlekraftwerk, was den Freizeitwert auf die Stadt und den Osten der Stadt (eben Richtung Grimma) beschränkt. Allerdings sind hier und dort ein paar Seen entstanden, an denen sich eine ausgiebige Freizeitkultur entwickelt hat, wie am Cospudener See.

Die Taborkirche in Leipzig Kleinzschocher


Radfahren in Norddeutschland

Überblick:
Teil 1: Von Borkum nach Hamburg
Teil 2: Von Hamburg nach Usedom

Dieser Beitrag beschreibt den Teil meiner Radtour durch Deutschland, entlang der Nordsee und der Ostsee, von Borkum bis nach Usedom führt. Den vorhergehenden Beitrag kannst du hier (Radfahren durch die Niederlanden) nachlesen, den folgenden Abschnitt hier (Radfahren durch Ostdeutschland)

Es sind zwei unterschiedliche Abschnitte, die außer der Tatsache, dass sie am Wasser liegen, nichts gemein haben. An der Nordsee überwiegt die etwas raue See, rauer Wind (gemäß Murphy natürlich immer frontal ins Gesicht blasend), ein Wattenmeer, viele Deiche, sehr viel Flachland, oft unter dem Meeresspiegel liegend.

An der Ostsee dagegen eher ein beschauliches Seeufer, kaum Wellen (was aber nicht heißt, dass es auch hier zu Sturmfluten kommen kann), die Küste ist eher hügelig mit abrupten, steil abreißenden Ufern, die Vegetation wagt sich hie viel weiter vor.

Teil 1: Von Borkum nach Hamburg

Von Borkum Hafen nach Borkum Stadt fährt man umsonst
Die Hauptstraße zum Neuen Leuchttum in Borkum
Borkum- die Insel, dessen Form sich seit 100 Jahren stark verändert hat, bedingt durch die Strömungen in der Nordsee
Inselrundfahrt auf Borkum
Inselrundfahrt auf Borkum
Eine Mühle als Museum in Rysum
Eine gute Aktion der Ludgeri Kirchengemeinde in Norden. Vom Turm hängt eine Rettungsweste als Aktion der #Kirche Trifft Seebrücke#
Ein Schild an der Kirche erklärt, warum die Aktion wichtig ist
Der Eingang zum Schloss Lütetsburg bei Norden
Weg um die Jade-Bucht, hier bei Dangast, Schauplatz des jährlichen Musikfestivals für Familien Watt En Schlick

Aus dem Tagebuch:

Ich stehe auf, hier in Bensersiel, zahle 17 Euro für den Platz auf dem Campingplatz, der hoffnungslos überfüllt ist,- um 11 Uhr ist Platzwechsel. Auf der Fahrt nach Jade stelle ich fest, warum soviel los ist: Kolonnen an Autos mit Urlaubern kommen mir entgegen. Es ist der 1. August, klar. Ich fahre durch Esens, Jever, komme an den Deich, dort fahre ich ich einige Kilometer, bis ich nach Dangast kommen, wo das Familienfestival Watt En Schlick stattfindet. Massen an Menschen , Alte, Junge, Kinder kommen mir entgegen. Sie wollen drei Tage bleiben, solange geht dieses Festival.

Die Gedächtniskirche in Bremerhaven-Mitte

In Bremerhaven besuche ich ein das Klimamuseum. Es ist zwar teuer und legt keinen größeren Wert auf die exakt wissenschaftlichen Aspekte, dafür aber sind die Exponate sehr anschaulich, man kann zumindest viele der Klimaeffekte kennen lernen und die Erwachsenen und Kinder können hier sehr gut nachvollziehen, welche Verhalten welche Folgen haben können.

Reminiszenz an Portugal in einer der portugiesischen Cafés in Bremerhaven, z.B. in der Hafenstr. , hier die berühmten als Weltkulturerbe geschützten Pastéis de Nata.
Deiche und Elbanfahrt bei Cuxhaven
Immer den Dünen an der Nordsee entlang, die im Sommer als Schafsweide genutzt werden
Die raue Nordsee bei Otterndorf östlich von Cuxhaven

Kurz nach Freiburg (Elbe) fahre ich mit der Fähre über die Elbe nach Glückstadt und dann nach Kollmar (Elbe). Ich finde es lustig, dass hier wie im Breisgau und Elsass im Süden Deutschlands ein Namens Pendant existiert. Auf der Elbe kann ich in der Ferne das AKW Brokdorf sehen, es sieht gespenstisch aus, da gerade ein Unwetter naht und das AKW in scharzen Wolken eingehüllt ist, aber noch von der Sonne beschienen wird. Weiß auf schwarz.

Abendsonne an der Elbe bei Kollmar (Elbe)
Strandidylle in Hamburg. Ein Wrack liegt im Fluss – hier am Tafelberg
Der alte Fischmarkt – heute ein Event-Gebäude

Ich besuche in Hamburg einen Freund, bei dem ich wohnen kann, Er zeigt mir die typischen Viertel: Die Speicherstadt, das Portugiesenviertel, die Schanze, die Lange Reihe. Ferner die Elbfähren als ÖPNV Mittel, die Hafenstr., die Außenalster und die Binnenalster. Hamburg ist eine sehr abwechslungsreiche Stadt und gefällt mir auf Anhieb. Gerade richtig für den Besuch mit dem Fahrrad. Es gibt keine Parkprobleme, keine Staus, die meisten Einbahnstraßen haben Radwege in der Gegenrichtung. Das macht mich unabhängig und ich denke mir, dass mir mit dem Fahrrad eigentlich nichts verborgen bleiben kann.

Im Sankt Pauli Elbtunnel – nur für Fahrrad und Fußgänger*Innen
Ein absolutes Muss: die Philli oder Elphi

Teil 2: Von Hamburg nach Usedom

In der Innenstadt von Bad Oldeslohe auf den Weg von Hamburg nach Lübeck

In Hamburg kommt mich eine Freundin besuchen, sie begleitet mich auf der Tour bis Wismar. Zunächst erreichen wir Lübeck, dann Travemünde, das eigentlich auch nur ein Ortsteil von Lübeck ist. Wir setzen mit der Fähre die Trave über und sind in Mecklenburg-Vorpommern.

Radweg an der Trave
Das Holstentor in Lübeck
Das Burgtor in Lübeck
Auf der Ostseite der Trave bei Travemünde. Der Strand lädt hier nicht zum Baden ein.
Blick auf die Ostsee bei Kalkhorst
Birkenkreuz am Gut Groß Schwansee zwischne Travemünde und Wismar als Gedenken an die 7000 Toten des KZ Häftlingsschiffes „Cap Arcona“ und „Thielbeck“ vom 3. Mai 1945

Auf der Gedenktafel zu diesem Kreuz steht geschrieben:
„Am Abend des 3.Mai 1945 war der zweite Weltkrieg entlang der Lübecker Bucht zu Ende. Für die 7.000 Toten der untergegangenen KZ-Häftlingsschiffe „Cap Arcona“ und „Thilebeck“ kommt das Kriegsende nur um Stunden zu spät.

Während des gesamten Sommers 1945 wurden ihre Leichen und Leichenteile an die Strände der Lübecker Bucht in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gespült. Die Besatzungsmächte der britischen und sowjetischen Zone verfügten aus Angst vor Seuchen die sofortige Beerdigung der Opfer.

Hier, nahe dem mecklenburgischen Gutsdorf Groß Schwansee, wurden ein Massengrab und eine Gedenkstätte errichtet und it einem schlichten Birkenkreuz gekennzeichnet. Mitte der 1950er Jahren wurde dieses Massengrab in die Kreisstadt Grevesmühlen verlegt:

Eine Zählung der Grabanlagen ergab, dass es für etwa 3.000 Opfer kein Grab gibt. Ihr Grab ist die Ostsee geblieben. So ist dies auch ein Gedenkort für die auf See gebliebenen Opfer.“

Typische Kirchen Architektur in Mecklenburg-Vorpommern, hier die Marienkirche in Klütz

Zuerst fahren wir nach Travemünde, von dort an der Ostsee entlang, dann querfeldein, um an den Wohlenberger Wiek zu gelangen. Hier gibt es schöne Badestrände, die auch gut besucht sind. Über Gägelow erreichen wir die Hansestadt Wismar an der Wismarer Bucht. Die Innenstadt von Wismar ist die Innenstadt von Stralsund seit 2002 in die Liste der UNSECO Weltkulturen aufgenommen worden.

Wismar, alles sieht wunderschön hergerichtet aus.
Wismar Innenstadt
Der Marktplatz von Wismar

Während meine Begleitung wieder nach Lübeck zurückfährt, ist meine nächste Station Rostock. Dort erwarte ich meine Frau, die mich nun die nächsten 2 Wochen begleiten wird. Es regnet, als ich dort ankomme. Die Innenstadt ist relativ neu, große Fußgängerzone zeigt sich wir alle Fußgängerzonen, breite Wege mit den üblichen Geschäften der Textil-, Drogerie- und Lebensmittelindustrie. Aber Rostock hat auch schöne, alte Viertel, einen großen Hafen, – von hier aus starten die vielen Segelturns, Kreuzfahrten.

Das Steintor in Rostock, eines der Tore zur Innenstadt
Lauschiges Eck in der Innenstadt von Rostock an der großen Wasserstraße
Eine Ausflugsyacht am Hafen von Rostock
Aktionskunst in der Nikolaikirche in Rostock. Ein Jazzkonzert wird durch den Aktionskünstler Feliks Büttner verewigt.

Die Nikolaikirche in Rostock hat eine etwas ungewöhnliche Geschichte in der neueren Zeit erfahren. 1976 wurde in das gerade wieder errichtete Kirchendach Wohnetagen eingezogen. Nur so wurde die Renovierung der Kirche durch die DDR-Regierung auch finanziell unterstützt.

Warnemünde, man muss hier rüber, vorbei an dem viel zu großen Luxusdampfer für die Mündung der Warne

Im Nordwesten von Rostock, am Schwanenteichpark befindet sich die Kunsthalle Rostock, die als Prestigeobjekt der DDR 1951 geöffnet wurde. Auch heute werden dort Ausstellungen der zeitgenössischen Kunst der DDR und Kunst aus Osteuropa. Eine Spezialisierung, die einen Besuch lohnt.

Rostock liegt nicht am Meer. Bis dahin sind es noch ein paar Kilometer, nämlich bis Warnemünde, das ein Heilbad besitzt. Als ich dort ankomme, ist W. total überlaufen und die Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen in der viel zu kleinen Warnemündung.

Ostseestrand vor Stralsund
Auf dem Weg nach Graal-Müritz, einsame Wege. Hier ist Fahrradfahren eine Freude
Impressionen aus dem Darßer Urwald
Auf Darß – ein Urwald mit Meereszugang, nur mit dem Fahrrad zu erreichen
Prerow auf Darß. Ein kleinerer Teil der Stadt liegt bereits auf Zingst

Prerow ist eine Badeort auf Darß, hat eigentlich nur 1500 (2018) Einwohner, aber im Sommer ein vielfaches an Touristen. Vom Campingplatz kann man durch den Wald direkt neben dem Strand in den Ort wandern. Ein Deichweg führt nach Zingst. Er ist bei schönen Tag fast zu klein, um all die radfahrenden Menschen aufzunehmen.

Das Stadttor von Barth, auf den Weg nach Stralsund
Ehemaliges Speichergebäude in Stralsund
Ein wunderschöner Blick auf den Kleinen Jasmunder Bodden auf Rügen, kurz nach Lietzow
Die Kreidefelsen auf Rügen – sie sind ein Weltkulturerbe
Immer noch bedrückend: 4 km Hotelanlage der Nazis in Prora auf Rügen
Teile der Anlage werden wieder hergestellt und als teure Eigentumswohnungen verkauft.
Einer der Blöcke beherbergt das sehenswerte Nazi-Dokumentationszentrum, ein anderer die größte Jugendherberge Deutschlands.

Ich verlasse Rügen in Glewitz und setze mit der Fähre nach Stahlbrode aufs Festland.

Auf der alten Straße auf dem Festland bei Mesekenhagen Richtung Greifswald. Schöne Alleen, schlechte Radwege, leider.
Der Marktplatz in Greifswald

Der Campingplatz befindet sich im Ortsteil Wieck von Greifswald, einem touristisch hergerichteten ehemaligen Fischerdorf, direkt am Ufer. Er ist sehr schön gelegen, hat eine sehr alte Klappbrücke und es macht Spaß, ein paar Ausflüge rund um diese Gegend zu machen.

Typisches Stadtbild in Wogast, auf den Weg nach Usedom
Hier Wogast, drüben Usedom. Eine große bewegliche Brücke trennt das Festland von der Insel.
Wo war denn Vineta, die sagenumwobene Stadt, jetzt wirklich?

Ähnlich wie Störtebecker, der sein Unwesen von Nordsee zur Ostsee getrieben haben soll, – in Ralswiek auf Rügen findet sogar jedes Jahr ein Störtebecker Festival statt, – ist auch Vineta angeblich fast überall an der Ostsee versunken. Aber nirgendwo wird dafür soviel Werbung betrieben wie hier in Zinnowitz auf Rügen. Der Sage nach haben die Bewohner die Weissagung einer Fee ignoriert, nicht so lasterhaft zu leben. Die Stadt ereilte daraufhin eine große Flutwelle und versank im Meer.

Am Seebad Zempin auf Usedom. Die Strände sind vergleichbar mit denen auf Rügen.
Auf dem Weg quer über Usedom nach Kamminke zur Überfahrt auf das Festland durch ausgedehnte Wälder

Ich durchquere Usedom auf dem Land, durch viele kleine, aber verlassene Dörfer, viel Wald durch die Zernisee-Senke und erreiche Kamminke, das kleine Dorf am Rande des Stettiner Haffs, nur wenige Kilometer vom polnischen Teil von Usedom entfernt.

Für den weiteren Verlauf meiner Radtour durch Deutschland siehe auch Radfahren in Ostdeutschland

Radfahren in Westdeutschland

Überblick:
Teil 1: Von Heidelberg nach Köln
Teil 2: Von Köln nach Unna
Teil 3: Von Unna nach Gronau

Der Begriff Westdeutschland ist etwas schwierig abzugrenzen. Auf meiner Reise rund um Deutschland und den Niederlanden behandelt dieser Abschnitt meine Fahrten von Heidelberg bis Enschede in den Niederlanden. Meine Strecke südlich von Heidelberg kann man hier nachlesen, die nördlich von Enschede hier.

Meine letzte Tour durch Deutschland machte ich im Sommer 2019.

Teil 1: Von Heidelberg nach Köln

Baden Württemberg

Ich beginne meinen Beitrag durch Baden-Württemberg in Heidelberg, der alten Schloss- und Universitätsstadt auf den Weg nach Mannheim.

Am Neckarkanal in Mannheim
Das Schloss in Mannheim

Rheinland-Pfalz

Ab Mannheim will ich die Abkürzung nach Bingen nehmen, also Mainz links liegen lassen, was ich deshalb bereue, weil quer durch die Pfalz die Strecken sehr anspruchsvoll sind (hügelig mit steilen Abschnitten) und zu dem auch noch starker Gegenwind herrscht. Überhaupt ist nachmittags an ein gemütliches Radeln nicht mehr zu denken. Ab drei Uhr fängt der Wind an zu blasen und artet mehr als nur einmal zu einem veritablen Sturm aus. Leider ist keine Erntezeit für den Wein, sonst würde ich die vielen Pfälzer Weinverköstigungen auf dem Weg erleben.

Der Campingplatz bei Bad Dürkheim
Eine typische pfälzer Speisekarte
Das größte Weinfass in Bad Dürkheim, immerhin mit 1,7 Mio l Fassungsvermögen – als Restaurant umgearbeitet
Durch die Weinberge – hier bei Freinsheim
… aber auch landwirtschaftliche Versuchsfelder mit schwer zu befahrenen Radwegen, hier bei Mölsheim
… oder hier,- nur die strapazierbaren Reifenmäntel können überleben .
Alzey – die Fachwerkhäuser in der Innenstadt
Alzey – es kommen nicht sehr viele Touristen hierher
Der Nahe Zufluss in den Rhein bei Bingen
Das Schloss Burg Rheinstein gegenüber Assmannshausen
Auf der Euro 15 mit vielen Burgen rechts und links des Rheines. Gut ausgebaut, aber laut durch zwei Zugstrecken und Autostraßen – der Fahrradweg entlang des Rheines
Blüchers Rheinübergang bei Kaub, die Gedenktafel. 1814 überschritt hier Blüchers Armee den Rein, um die französische Armee von Napoleon anzugreifen.
Burg Schönburg bei Oberwesel, welche heute ein Nobelhotel ist
Überfüllte Rheinufer – wie hier an der Loreley

Etwas enttäuscht bin ich von der Rheinstrecke zwischen Bingen und Köln, vorbei an der Loreley, Koblenz. Ich erinnere mich von früher, dass das Rheintal wunderschön ist, – zumindest aus dem Zugfenster gesehen. Aber da hört man nicht, dass es auf beiden Seiten eine Bahntrasse gibt, über die der komplette Nord-Süd Güterverkehr roll – auch nachts, wenn man auf einem der relativ schmalen Campingplätze im Zelt liegt und versucht zu schlafen. Da auch noch eine Bundesstraße am Rhein liegt, benötige ich tatsächlich Ohrstöpsel, um einigermaßen ausgeruht aufzuwachen. Ich verstehe nicht, wie Menschen dort wohnen können, zumal das Tal relativ dicht besiedelt ist. Bis Bonn sind dann eine Burg nach der anderen zu sehen, ein Schloss nach dem anderen. Der Radweg, de EuroVelo Weg 15 ist natürlich gut ausgebaut und auch sehr gut befahren.

Die Innenstadt von Boppard am Rhein

Aber man merkt, dass hier Geschichte geschrieben worden ist. Das Schloss Burg Rheinstein, Blüchers Gedenktafel, die Brücke von Remagen, die Burg Auf Schönberg“ , die Villa Hammerschmidt, all diese geschichtsträchtigen Bauwerke liegen direkt am Weg.

Schloss Stolzenfels bei Lahnstein
AKW Mühlheim-Kärlich bei Koblenz, – in Koblenz wird die Euro 15 kurzfristig unterbrochen und man muss seinen Weg selber suchen.
Dann geht es wieder weiter am Rhein- auf den Weg nach Bonn – Köln
Der rechtsseitige Brückenkopf der Brücke von Remagen. Um den Vorstoß der Westalliierten zu stoppen, versuchte die Wehrmacht noch im März 1945 die Brück zu zerstören. Umsonst. Als die Alliierten auf die andere Seite übergesetzt hatte, stürzte sie schließlich doch ein. Im Film von David Wolper 1969 und dem Roman von Rolf Palm, beide mit dem Titel ‚Die Brücke von Remagen‘, wird das sinnlose Schlachten in diesen Tagen geschildert.

Teil 2: Von Köln nach Unna

Nordrhein-Westfalen

Köln Deutz- der Bahnhof, 1859 eingeweiht, wird im Volksmund als „Muusfall “ (Mausefalle) bezeichnet
Die Silhouette von Köln, Blick von den Rheinauen rechtsseitig des Rheins

Rein ins Bergische

Mein Ziel ist es, von Köln aus ins Bergische zu fahren, genauer nach Hückeswagen bei Remscheid, um meinen Bruder zu besuchen. Danach soll es weitergehen nach Münster, wo meine Tochter wohnt. Von Münster aus will ich dann in die Niederlande radeln, d.h. bei Enschede die Grenze überqueren Es ist eine Entscheidung, die durch eine hügelige Landschaft führt, bis nach das Münsteraner Flachland beginnt.

Die ehemalige Eisenbahnstrecke nach Hückeswagen mit diesem ehemaligen Eisenbahntunnel, heute eine wunderschöne Fahrradstrecke im Wald

Den Abstecher von Köln nach Bergisch Gladbach und Hückeswagen mache ich auf einer stillgelegten Bahntrasse. Sie ist asphaltiert und trotz der hügligen Landschaft geradlinig zu befahren. Dieser Weg ist absolut empfehlenswert und wenn ich dann in einen ehemaligen Bahntunnel eintauche, kann ich mir die alten Dampflokzüge noch vorstellen, wie der Qualm die Rundbögen des Tunnels schwärzt.

Die Müngstener Brücke über die Wupper bei Solingen. Sie ist immerhin die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands mit 107 Metern. Sie wurde bereits 1897 eröffnet und verbindet auch heute noch Solingen und Remscheid.
Im LWL Freilichtmuseum bei Hagen kann man alte Werkstätten, wie Seilereien, Schmieden und Mühlen u.v.a. besichtigen.
Liebevoll sind im LWL Freilichtmuseum bei Hagen die alten Handwerks-Werkstätten wiederaufgebaut worden. Sie stammen fast alle aus dem Ende des 20. Jahrhunderts und man Vorführungen zeigen, mit welcher Mühe damals die einfachsten Gegenstände hergestellt wurden.

Teil 3: Von Unna nach Gronau

Fischmarkt in Unna Innenstadt

Runter ins Münsterland

Auf dem Weg nach Münster
Das historische Rathausaus dem 16 Jahrhundert in Werne, eine ehemalige Hansestadt
Norddeutsches Fachwerk in der Innenstadt von Werne, hier die Rückseite des Rathauses
Ohne Ankündigung! Ist Euch das auch schon passiert? Hier im Sommer 2019 in Overberge bei Bergkamen.

Weiter nach Münster über Lennep und Hagen – genau der Übergang vom auf und ab der hügeligen Landschaft in die münsteraner Ebene. Ab hier ist es im Wesentlichen flach, einzig der Wind weht stärker, – und natürlich mir entgegen, zumindest gefühlt.

Münster Innenstadt- hier die Lambertskirche

Münster ist eine der größten Universitätsstädte Deutschlands. Die gesamte Stadt ist drauf ausgerichtet, möglichst viele Student*Innen aufnehmen zu können.

Die schön hergerichtete Innenstadt zeugt von einer abwechslungsreichen Geschichte, in der der Westfälische Friedensschluss vom 24.10.1648 wohl einer der nachhaltigsten Ereignisse darstellt. Der Friedensschluss beendete den dreißigjährigen Krieg in Deutschland nd den 80 (!) jährigen Unabhängigkeitskrieg der Niederlande (gegen die spanische Krone)

Münster zählt auch als Fahrradstadt. Auch wenn viele Radwege vorhanden sind, gibt es allerdings wichtige Verbindungen, deren Radwege schlecht ausgebaut und / oder markiert sind.

Im Sommer 2018 verwandelte sich aufgrund der großen Hitze der Ausflugsort in Münster, der Aasee, in ein Massengrab für Fische und Wasservögel. Das stehende Wasser des Stausees hatte diesen so aufgeheizt, dass die Fische zum großen Teil verendeten. Über der Stadt stand einige Tage lang eine Dunstwolke der Verwesung.

Die Uni Münster im Schloss von Münster

Im Nordwesten von Münster auf dem Weg nach Enschede
Ein Outlet Center hinter einer historischen Fassade in der Laurenzstr. in Ochtrup
Die Fußgängerzone in Ochtrup
Die Kirche St. Antonius in Gronau. Hier herrscht das Flair einer Grenzstadt mit sehr vielen Einkaufsmöglichkeiten.

Von hier zur niederländischen Grenze ist es nicht sehr weit, über Ochtrup und Gronau, tauche ich ein in ein anderes Land, mit anderen Fahrradregeln. Die Grenze ist nicht zu spüren. Ich überquere eine Straße, die nur für Busse zugelassen ist, also auch nicht für Fahrräder. Aha, ich bin in den Niederlanden! Davon mehr im Beitrag „Radfahren in den Niederlanden“.