Radfahren in Süddeutschland

Überblick:
Teil 1: Von München nach Heidelberg
Teil 2: Von München nach Konstanz

Teil 1: Von München nach Heidelberg

Jedes Jahr nehme ich mir vor, ein paar Monate auf dem Rad und mit dem Zelt zu verbringen. 2019 waren Deutschland und Holland dran. Ich will westlich nach Amsterdam, dann rüber nach Hamburg und Stettin, von dort zurück die Lausitz und über Leipzig wieder zurück nach München. Dieser Teil beschreibt die Strecke und Beobachtungen, die ich Bayern und Baden-Württemberg mache.

Ich fahre also von München nach Heidelberg, von dort nach Bingen bis Köln, rüber ins Bergische, dann nach Münster. Spätestens dort bin ich in Deutschlands Tiefebene angekommen. Die Architekturen der Häuser und Sehenswürdigkeiten verändern sich auf dem Weg permanent. In Münster kann man bereits den nahen Einfluss der Niederlande spüren.

Meine Tagestouren betragen durchwegs zwischen 55 und 80 km, sind also sehr gemütlich, mit reichlich Zeit, mal einen Abstecher in die Städte zu wagen. Ich übernachte auf Zeltplätzen, was an Flüssen, Naturparks nicht so schwierig ist, aber abseits der Städte meistens in den Freizeitregionen und das heißt schon mal, ein paar Kilometer Umweg zu fahren.

Da ich oft querfeldein fahre, bin ich oft abseits der großen Straßen. Geplant habe ich die Strecken mit einer Fahrrad-App, die mir von jeher ein gutes Hilfsmittel war.

Durch Bayern und Baden Württemberg sind die Strecken erwartungsgemäß sehr hügelig, es gibt Richtung Augsburg, Ulm, Sinsheim, Heidelberg nicht viele Radwege, aber dafür viele landwirtschaftlich genutzte Feldwege, die fast überwiegend geteert sind.

Der Blockhausturm in Burgau- die Einfahrt in die Innenstadt
Das Schloss Leipheim mit Kirche
Durch den Wald, frisch hergerichteter Weg mit spitzen, unbefestigten Split durch die Schwäbische Alb bei Stubersheim,- nur schwer zu befahren
Nach dem Abstieg des Aichelbergs die hügelige Ebene bei Geislingen an der Steige
Das Rathaus in Kirchheim unter Teck
Das Wasserhaus als Stauwehr über den Hammerkanal bei Esslingen, bei der Einmündung in den Neckar. Es hat ein Walmdach und dient als Fußgängerüberweg über den Kanal.
Der Schelztorturm am Roßneckerkanal in Esslingen, wahrscheinlich im 13 . Jhrdt gebaut. Die Figur als „Skywalker“ kam erst 1989 dazu, stellt heute eines der Wahrzeichen Esslingens dar.
Schloss Rosenstein in Stuttgart, es beinhaltet auch das Naturkundemuseum Stuttgart
Im Stuttgarter Schlossgarten, ein grüner Ausflugsort für alle Stuttgarter*Innen
Das Schloss in Ludwigsburg
Historische Felsen an der Enz bei Bietigheim
Der Kölleturm in Bönnigheim
Weinberge bei Brackenheim an der Württemberger Weinstraße
Das Auto und Technik Museum in Sinsheim
Straßenszene in Neckargemünd
Der Neckar bei Neckargemünd
Das Karlstor vom Westen von Heidelberg
Das Heidelberger Schloss

Der Campingplatz in Heidelberg liegt etwas außerhalb direkt am Neckar, was ihn abends eine gute Stimmung verleiht, auch wenn man dort nicht baden kann. In Heidelberg selbst besuche ich meine Nichte, die dort studiert. Heidelberg selbst selbst lebt von seinen Student*Innen, aber auch von den Tourist*Innen. Die Innenstadt ist voll von ihnen und sehr lebendig. Entsprechend groß ist das Angebot an Restaurants und Kneipen.

Meine weiteren Touren durch Westdeutschland kann man hier nachlesen.

Teil 2: Von München nach Konstanz

Blick auf Buching am Bannwaldsee

Dieser zweite Teil dieses Beitrages handelt von einer Tour von München nach Konstanz. Sie ist eigentlich nur der Anfang einer großen Tour nach Lissabon. Die entsprechenden Beiträge sind in diesem Blog nachzulesen. Ich habe viel Gepäck aufgeladen: 24 kg, da ich auch meine Zeltausrüstung mitgenommen habe.

Ich fahre also in München durch den Forstenrieder Park, an der Autobahn entlang, runter nach Percha, rauf nach Berg, am Schlösschen Berg vorbei, jenem Schloss, von wo aus der Erzählung nach König Ludwig II am 13. Juni 1886 in das Wasser des Starnberger Sees ging und sich selbst das Leben genommen hat – so zumindest die offizielle Version. Doch diese Version enthält viele Ungereimtheiten, viele Indizienfunde widersprechen der Darstellung, seither blühen die Verschwörungstheorien. König Ludwig II wurde in München in einer Gruft der Michaelskirche in der Fußgängerzone bestattet, sein Herz dagegen kam in die Gnadenkapelle nach Altötting.

Aus der Ebene emporragend: Das Schloss Neuschwanstein
Der Niedersonthofener See im Frühling
Anstieg in die Berge bei Niedersonthofen
Durch den Wald an den Hängen der Alpen auf der EV6
Lindau am Bodensee

Ich komme auf einen der am meisten befahrenen Fahrradwege Deutschlands – den Bodenseeweg von Lindau nach Konstanz. Hier muss ich aufpassen, denn viele der Radfahrer sind das Fahren nicht gewohnt. Auch sehe ich sehr viele, meist ältere Damen und Herren mit einem E-Bike. Tja, das E-Bike macht es möglich, den Straßen zu entfliehen und relativ gemütlich am Ufer des Sees entlang Ausflüge zu machen, selbst dann, wenn man eigentlich nicht mehr die Kraft hat, ein Fahrrad selbst anzutreiben. E-Bikes verändern die Mobilität im Seniorenalter, E-Bikes verändern das Freizeitverhalten. Eine gute Sache, denn diese Menschen sind dann erst einmal weg vom Auto.

Weinberge zwischen Hagnau am Bodensee und Meersburg
Mit der Fähre von Meersburg nach Konstanz
Es ist zwar Kreuzlingen, welches hier beginnt, aber da wollten sich die deutschen Behörden wohl nicht festlegen….

Radfahren in Ostdeutschland

Überblick:
Teil 1: Von Usedom nach Guben
Teil 2: Von Guben nach Leipzig

Auf meinem Radweg rund um Deutschland bin ich auch den Oder-Neiße Radweg von Nord nach Süd gefahren, ehe ich dann nach Westen Richtung Leipzig abgebogen bin. Radfahren in Ostdeutschland ist der Abschnitt, der von Usedom nach Leipzig führt und den ich hier im Blog beschrieben will. Den vorhergehende Abschnitt, meine Radtour entland der Nord- und Ostsee kannst du hier nachlesen.

Die Strecke ist in zwei Abschnitten unterteilt, in die Oder-Neiße Strecke und in die Strecke Guben nach Leipzig. Die Unterteilung macht deshalb Sinn, da der erste Teil entlang des Oder-Neiße Radweges führt.

Teil 1: Von Usedom nach Guben

Es sind einsame Landschaften durch Vorpommern-Greifswald, durch die Uckermark, das Märkische Oderland, dann durch das Oder-Spreeland hindurch. Zunächst fahre ich mit der Fähre nach Ückemünde, durch das Stettinhaff, ein fischreiches Gewässer, was mich aber durch die braun-graue Farbe nicht zum Baden einlädt. Ückermünde liegt etwas landeinwärts und so fährt die kleine Fähre erst einmal eine zeitlang auf der Ücker zum Anlegeplatz. Mich erwartet eine schöne Kleinstadt.

Von Kamminke (Usedom) nach Ückemünde – hier die Einfahrt in den Kanal der Ücker

Abstecher nach Polen

Ich will nach Szczecin/Stettin in Polen. Es ist eine schöne, aber sehr einsame Strecke, am Neuwarper See entlang, durch Wiesen und Wälder. Mir begegnet kilometerweit kein Haus, kein Fahrrad, kein Auto. Manchmal bleibe ich stecken, da die Feldwege, die mir meine App anzeigt, vollständig versandet sind und ich mühevoll schieben muss. In Dobieszciyn komme ich über die Grenze. Da der Grenzverkehr moderat ist, stört es mich nicht, auf der Hauptstraße fahren zu müssen. Allein in Stettin stört mich schon, dass die Straßen fast alle zu Baustellen verwandelt worden sind, ohne dass ich einen Bauarbeiter sehe. Stettin hat einen sehr sandigen Untergrund, und so schiebe ich das Fahrrad wieder durch den Sand der aufgerissenen Straßen. Ich beeile mich, in die Stadtmitte zu kommen, durch den Park Jana Kasprowicza, den wohl schönsten Platz in Stettin, dann wieder 10 km raus aus der Stadt auf den Campingplatz. Es gibt neben den autobahnmäßigen Ausfallstraßen auch Fahrradwege, die aber nicht gepflegt sind. Hier ist Fahrradfahren noch nicht angekommen!

Auf einem Hochstand mit Blick auf den Neuwarper See Nähe Ahlbeck
Von Ueckermünde einen kurzen Abstecher nach Szczecin (Stettin) in Polen machen. Achtung: hier gibt es nur wenige Fahrradwege!

Allein, ich will ja an die Oder, die hier bis nach Gartz weiter im Süden in zwei Flüsse aufgeteilt ist, in die Westoder und die Ostoder. Ich fahre also die Westoder bis nach Gryfino auf der polnischen Seite, bevor ich mich entschließe, die Grenze zu wechseln, da ein Radfahren auf dieser Seite zu gefährlich ist. Es gibt, wie geschrieben, keinen eigenen Radweg, und Nebenstraßen haben meist ein Kopfsteinpflaster, so dass es sehr mühsam und langsam ist, hier vorwärts zu kommen.

Der Oder-Neiße Radweg

Auf der Westseite der Westoder befindet sich ein wunderschöner Radweg, der in Schwedt in den Oder-Neiße Radweg mündet. Dieser begleitet mich dann bis Guben über 200 km weit. Kilometer für Kilometer immer der Grenze entlang, hier die deutschen Grenzsteine, 200 Meter nach links die polnischen Grenzsteine, dazwischen das Odertal, als Nationalpark Unteres Odertal geschützt. Hier ist kein Auto, kein Dorf, nur hin und wieder eine kleine Wirtschaft zu sehen. Biber haben den Bestand an Birken soweit dezimiert, dass fast keine mehr zu sehen sind, dafür aber die abgenagten Baumstämme. Allein hier zu sein, macht einsam und ich bin froh, nach Schwedt zu kommen, um wieder Menschen zu sehen.

Einsame, aber gut ausgebaute Radwege entlang der Oder
Immer dem Oder-Neiße Radweg nach – hier durch Gartz an der Oder

Doch Schwedt scheint ausgestorben. Es ist nachmittags und ich fahre durch die Innenstadt, ohne eine Geschäft und Mensch zu entdecken. Ist das das Paradies in der Uckermark, von dem alle so schwärmen?

Die Biber haben hier ihr Revier
Über die Welse im Nationalpark Unteres Odertal (verläuft parallel zur Elbe)
Die Kirche Mariä Himmelfahrt im Zentrum von Schwedt (Oder) im Zentrum

Auf dem weiteren Weg komme ich nach Frankfurt/Oder. Diese Stadt hat eindeutig zwei Gesichter. Alte, wiederaufbereitete Stadtviertel neben Plattenbauten, auf denen großflächig für die Bundeswehr geworben wird. Für mich als Pazifist ein sehr ambivalentes Bild.

Plattenbauten und Bundeswehrwerbung in Frankfurt/Oder
Der zentrale Brunnenplatz in Frankfurt/Oder. Trotz vieler Bemühungen für Attraktivität bleibt auch hier die Dominanz eines großen Parkplatzes. Muss das sein?

Urlaub am Helenesee

Wieder mehr Natur, – so fahre ich zum Helenesee, einem der schönsten Badeseen in Brandenburg. Es sind hier gerade mal 100 km nach Berlin und das ist an schönen Sonntagen zu spüren. Die wenigen Bademöglichkeiten sind überfüllt mit Touristen.

Am Helenesee in Brandenburg

Die Stadt Eisenhüttenstadt entstand erst in den 1960-Jahren als Wohnstadt für das Eisenhüttenkombinat Ost. Dass die Stadt auch heute noch für die Verhüttung von Eisen steht, kann man überall sehen, große Denkmäler und all dominierende Hochofenanlagen zeugen davon. Der Ortskern besteht aus einem großem Platz mit flachen Gebäuden rings herum. Auch sonst sind die Wohnhausreihen in lockeren Abständen aufgestellt. Seit der Wiedervereinigung hat sich die Bevölkerungszahl fast halbiert, so sehr schlägt die Strukturschwäche dieser Region hier durch.

Die Innenstadt von Eisenhüttenstadt

Guben ist eine geteilte Stadt, der Ortskern liegt im polnischen Teil. Dort heißt die Stadt Gubin und ist Opfer der Grenzziehung nach dem zweiten Weltkrieg, als die Oder als Grenze festgelegt wurde. 90% der Stadt wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Wilhelm Pieck, der erste Staatspräsident der DDR ist dort geboren worden, weshalb die Stadt auf deutscher Seite auch Wilhelm-Pieck-Stadt Guben heißt. Als Sehenswürdigkeiten sind die schönen Parkanlagen anzusehen.

Teil 2: Von Guben nach Leipzig

Die nächste Station nach Guben ist Cottbus oder Chóśebuz auf Sorbisch. Doch zuvor komme ich durch Peitz, welches dominiert wird durch ein gigantisches Kohlekraftwerk (Jänschwalde). Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur verursacht das Kraftwerk die dritthöchsten Schadenskosten aller europäischen Industrieanlagen. Das war 2011. Interessant, zwischen dem Hüttenweg und der Maustmühle kann man entlang den Peitzer Teichen radeln, in denen sich eine der größten Fischzuchten Deutschlands befindet.

Gigantisches Kohlekraftwerk in Peitz

Ich befinde mich in der Niederlausitz und ich treffe auf den Weg nach Cottbus zum ersten Mal auf die Spree, die sich auf den Weg nach Berlin befindet. Mich hat diese Stadt imponiert, nichts von der etwas zerfallenen Morbidität der verlassenen Städte woanders in Brandenburg, sondern eine alte, lebendige Stadt, voller Sehenswürdigkeiten. Auch die Wege durch die Parkanlagen, wie z.B. der Käthe-Kollwitz Park, sind liebevoll angelegt und laden zum Radfahren ein.

Cottbus, eine schöne Stadt mit vielen alten Gebäuden, hier der berühmte Spremberger Turm
und das Raumflugplanetarium „Juri Gagarin“

Auf der Weiterfahrt komme ich durch die Wälder rund um Spremberg. Es ist sehr einsam hier, viel Wald, allein zu sein, erzeugt hier merkwürdige zum Teil gruselige Gefühle, nicht zuletzt durch die erhebliche Brandgefahr, die von diesen Wäldern ausgeht. Schließlich erreiche ich die Talsperre Spremberg, an dem ein Campingplatz offen hat, immer noch im Wald allerdings ohne Verpflegungsmöglichkeit. Ich unterhalte mich einem ehemaligen Baumfäller, der mir aus der Geschichte dieses Waldes berichtet. Hier befanden sich früher russisches Militär und Kohlereviere. Nach der Wende wurde alles stehen und fallen gelassen, und ein monotoner Wald hochgezogen, Kiefern, wohin das Auge blickt. Sie sind heute alle ca 30 Jahre alt und habe es zu einer stattlichen Höhe gebracht.

Waldbrandgefahr

Das Problem: Wegen der vielen Stauseen und Seen und durch den Rückzug des Kohleabbaus sinkt der Grundwasserspiegel, was die Brandgefahr, auch durch die Monokultur bedingt, erheblich vergrößert. Ein weiteres Problem: Als die Militärs sich zurückzogen, hinterließen sie die die Flächen ungeräumt, überall liegen noch Munitionsreste herum,- eine Tatsache, die eine eventuelle Brandlöschung erheblich behindert. Ich habe nur da und dort große Brandschneisen gesehen.

Einsamer Campingplatz an der Spremberger Talsperre
Einsame Wege durch die Lausitz rund um die Talsperre Spremberg. Im Sommer herrscht hier große Brandgefahr.

Mondlandschaft durch den Braunkohleabbau

Auf den Weg nach Dresden komme ich an Welzow vorbei, ein riesiges Braunkohleabbaugebiet. Ich fahre durch das Gelände, es ist wie in einer Mondlandschaft. Die komplette Gegend besteht aus dreierlei: a) Mondlandschaft mit tiefen, tiefen Gruben, gefährlich für jeden, der sich an die Ränder begibt, b) Seen mit Steinufern, für Badetouristen bis auf ausgezeichnete Stellen verboten. Die Steine sind rostbraun, ein Zeichen für viel Eisen im Wasser. Sie dienen der Absicherung der steilen Ufer. c) Wald, fast ausschließlich Monokultur, Kiefern, etwa 10 Jahre alt. Bei uns im Bayern sagt man „Stangerlacker“ dazu. Alte Dörfer wurden aus dem Gebiet entfernt, wie manche Schautafeln diesem Gebiet bezeugt. Es ist gruselig.

Kilometerweite Mondlandschaften: Braunkohleabbau in der Lausitz

An der Elbe rund um Dresden

Endlich erreiche ich die Elbe. Dresden ist nicht weit. Am Elbufer befindet sich der Elberadweg, der von Prag kommt und bis nach Cuxhaven führt. Er ist sehr gut ausgebaut und wird mich von hier bis nach Riesa führen, etwa 75 km von Dresden nach Nordwesten. Es macht Spaß, durch Dresden mit dem Fahrrad zu fahren. Wie andere große Städte auch, ist auch diese Stadt in überschaubarer Zeit zu durchfahren. Klar, die Semperoper, die Frauenkirche, Zwinger, alles Denkmäler, die man gesehen haben sollte. Imponierend aber auch die Villen und Schlösser links und rechts der Elbe entlang.

Ich mache einen Ausflug nach Pirna, etwa 20 km südöstlich von Dresden. In der Marienkirche in der schön hergerichteten Innenstadt mit dem Marktplatz nehme ich Platz und höre Studenten zu, die an der Orgel der Kirche ihre Übungen absolvieren. Ein schönes Sonderkonzert für mich. Da gerade Wahlsonntag 2019 Landtagswahl – ist, bekomme ich mit, dass etwa 34 Prozent die Rechtsaußenpartei gewählt haben, obwohl Pirna noch im Jahre 2008 den Preis für den „Ort der Vielfalt“ verliehen bekommen hat, weil rechtsextremistische Gewalttaten um die Hälfte abgesunken sind.

An der Elbe zwischen Pirna und Dresden

Auf den Weg nach Leipzig

Auf den Weg nach Leipzig besuche ich Meißen, die wohl schönste Kleinstadt in Sachsen. Nicht nur das Meißener Porzellan ist hier entstanden, auf die berühmten Sachsen Weine sind hier zuerst kultiviert worden, um nur zwei der wichtigsten Errungenschaften zu nennen. Herausragend hoch auf dem Berg steht der Dom zu Meißen, den zu besuchen, auf jeden Fall lohnt.

Blick aus dem Dom in Meißen
Die Elbe zwischen Meißen und Riesa

In Riesa biege ich nach Osten und durchfahre Oschatz und Grimma. Beide Städte sind kleine Städte mit schön hergerichteten Stadtmitten. Sie liegen im Herzen Sachsens. Grimma liegt an der Mulde, ein kleiner Fluss, an dessen Ufer sich schöne Rad und Wanderwege befinden.

Brunnen von 1589 uf dem Neumarkt in Oschatz

Ein Wort zur Infrastruktur der ländlichen Gegenden. Die Dörfer sind verlassen, Geschäfte kaum mehr anzutreffen. Die Menschen brauchen ein Auto, um allein den nächsten Bäcker aufzusuchen. Da auch der ÖPNV zurückgefahren wurde, ist es selbsterklärend, warum eine derart große Landflucht existiert. Es gibt da durchaus ein Nord-Süd und Ost-West Gefälle, das heißt, je nördlicher und je östlicher man sich befindet, desto ausgeprägter diese Erfahrung. Man sollte sich am Anfang des Tages mit Wasser eindecken, es könnte sein , dass man unterwegs keinen Laden mehr antrifft. Das finde ich sehr traurig, weil ich in Gesprächen erfahre, dass die Infrastruktur früher bessert ausgeprägt war.

Die Hängebrücke als Tor für Fahrradfahrer nach Grimma

Das Rathaus von Grimma

Endlich in Leipzig

Leipzig ist die quirlige Stadt Sachsens, dort wohnt mein großer Sohn mit seiner Familie. Man spürt, dass hier eine lebendige Kneipen- und Subkultur existiert. Auch wenn die Innenstadt nun soweit hergerichtet wurde, dass zumindest die Fußgängerzonen sich von denen anderer Großstädte kaum mehr unterscheiden, existieren noch die Stadtviertel, in denen die alten Wohngebäude dominieren, wie in der Südvorstadt, in Plagwitz oder in Gohlis. Hier gibt es sie noch, die kleinen Läden, Cafés und Kneipen. Unvergessen auch eine Fahrt an der weißen Elster und durch den Clara-Zetkin Park.

Doch schon an der Stadtgrenze merkt man, dass die Modernisierungen der Neuzeit nicht darüber hinausgehen. Der Stadtrand unterscheidet sich nicht von den Dorfstrukturen in Sachsen. Auch ist Leipzig umgeben von Windrädern und einem Kohlekraftwerk, was den Freizeitwert auf die Stadt und den Osten der Stadt (eben Richtung Grimma) beschränkt. Allerdings sind hier und dort ein paar Seen entstanden, an denen sich eine ausgiebige Freizeitkultur entwickelt hat, wie am Cospudener See.

Die Taborkirche in Leipzig Kleinzschocher


Radfahren in Norddeutschland

Überblick:
Teil 1: Von Borkum nach Hamburg
Teil 2: Von Hamburg nach Usedom

Dieser Beitrag beschreibt den Teil meiner Radtour durch Deutschland, entlang der Nordsee und der Ostsee, von Borkum bis nach Usedom führt. Den vorhergehenden Beitrag kannst du hier (Radfahren durch die Niederlanden) nachlesen, den folgenden Abschnitt hier (Radfahren durch Ostdeutschland)

Es sind zwei unterschiedliche Abschnitte, die außer der Tatsache, dass sie am Wasser liegen, nichts gemein haben. An der Nordsee überwiegt die etwas raue See, rauer Wind (gemäß Murphy natürlich immer frontal ins Gesicht blasend), ein Wattenmeer, viele Deiche, sehr viel Flachland, oft unter dem Meeresspiegel liegend.

An der Ostsee dagegen eher ein beschauliches Seeufer, kaum Wellen (was aber nicht heißt, dass es auch hier zu Sturmfluten kommen kann), die Küste ist eher hügelig mit abrupten, steil abreißenden Ufern, die Vegetation wagt sich hie viel weiter vor.

Teil 1: Von Borkum nach Hamburg

Von Borkum Hafen nach Borkum Stadt fährt man umsonst
Die Hauptstraße zum Neuen Leuchttum in Borkum
Borkum- die Insel, dessen Form sich seit 100 Jahren stark verändert hat, bedingt durch die Strömungen in der Nordsee
Inselrundfahrt auf Borkum
Inselrundfahrt auf Borkum
Eine Mühle als Museum in Rysum
Eine gute Aktion der Ludgeri Kirchengemeinde in Norden. Vom Turm hängt eine Rettungsweste als Aktion der #Kirche Trifft Seebrücke#
Ein Schild an der Kirche erklärt, warum die Aktion wichtig ist
Der Eingang zum Schloss Lütetsburg bei Norden
Weg um die Jade-Bucht, hier bei Dangast, Schauplatz des jährlichen Musikfestivals für Familien Watt En Schlick

Aus dem Tagebuch:

Ich stehe auf, hier in Bensersiel, zahle 17 Euro für den Platz auf dem Campingplatz, der hoffnungslos überfüllt ist,- um 11 Uhr ist Platzwechsel. Auf der Fahrt nach Jade stelle ich fest, warum soviel los ist: Kolonnen an Autos mit Urlaubern kommen mir entgegen. Es ist der 1. August, klar. Ich fahre durch Esens, Jever, komme an den Deich, dort fahre ich ich einige Kilometer, bis ich nach Dangast kommen, wo das Familienfestival Watt En Schlick stattfindet. Massen an Menschen , Alte, Junge, Kinder kommen mir entgegen. Sie wollen drei Tage bleiben, solange geht dieses Festival.

Die Gedächtniskirche in Bremerhaven-Mitte

In Bremerhaven besuche ich ein das Klimamuseum. Es ist zwar teuer und legt keinen größeren Wert auf die exakt wissenschaftlichen Aspekte, dafür aber sind die Exponate sehr anschaulich, man kann zumindest viele der Klimaeffekte kennen lernen und die Erwachsenen und Kinder können hier sehr gut nachvollziehen, welche Verhalten welche Folgen haben können.

Reminiszenz an Portugal in einer der portugiesischen Cafés in Bremerhaven, z.B. in der Hafenstr. , hier die berühmten als Weltkulturerbe geschützten Pastéis de Nata.
Deiche und Elbanfahrt bei Cuxhaven
Immer den Dünen an der Nordsee entlang, die im Sommer als Schafsweide genutzt werden
Die raue Nordsee bei Otterndorf östlich von Cuxhaven

Kurz nach Freiburg (Elbe) fahre ich mit der Fähre über die Elbe nach Glückstadt und dann nach Kollmar (Elbe). Ich finde es lustig, dass hier wie im Breisgau und Elsass im Süden Deutschlands ein Namens Pendant existiert. Auf der Elbe kann ich in der Ferne das AKW Brokdorf sehen, es sieht gespenstisch aus, da gerade ein Unwetter naht und das AKW in scharzen Wolken eingehüllt ist, aber noch von der Sonne beschienen wird. Weiß auf schwarz.

Abendsonne an der Elbe bei Kollmar (Elbe)
Strandidylle in Hamburg. Ein Wrack liegt im Fluss – hier am Tafelberg
Der alte Fischmarkt – heute ein Event-Gebäude

Ich besuche in Hamburg einen Freund, bei dem ich wohnen kann, Er zeigt mir die typischen Viertel: Die Speicherstadt, das Portugiesenviertel, die Schanze, die Lange Reihe. Ferner die Elbfähren als ÖPNV Mittel, die Hafenstr., die Außenalster und die Binnenalster. Hamburg ist eine sehr abwechslungsreiche Stadt und gefällt mir auf Anhieb. Gerade richtig für den Besuch mit dem Fahrrad. Es gibt keine Parkprobleme, keine Staus, die meisten Einbahnstraßen haben Radwege in der Gegenrichtung. Das macht mich unabhängig und ich denke mir, dass mir mit dem Fahrrad eigentlich nichts verborgen bleiben kann.

Im Sankt Pauli Elbtunnel – nur für Fahrrad und Fußgänger*Innen
Ein absolutes Muss: die Philli oder Elphi

Teil 2: Von Hamburg nach Usedom

In der Innenstadt von Bad Oldeslohe auf den Weg von Hamburg nach Lübeck

In Hamburg kommt mich eine Freundin besuchen, sie begleitet mich auf der Tour bis Wismar. Zunächst erreichen wir Lübeck, dann Travemünde, das eigentlich auch nur ein Ortsteil von Lübeck ist. Wir setzen mit der Fähre die Trave über und sind in Mecklenburg-Vorpommern.

Radweg an der Trave
Das Holstentor in Lübeck
Das Burgtor in Lübeck
Auf der Ostseite der Trave bei Travemünde. Der Strand lädt hier nicht zum Baden ein.
Blick auf die Ostsee bei Kalkhorst
Birkenkreuz am Gut Groß Schwansee zwischne Travemünde und Wismar als Gedenken an die 7000 Toten des KZ Häftlingsschiffes „Cap Arcona“ und „Thielbeck“ vom 3. Mai 1945

Auf der Gedenktafel zu diesem Kreuz steht geschrieben:
„Am Abend des 3.Mai 1945 war der zweite Weltkrieg entlang der Lübecker Bucht zu Ende. Für die 7.000 Toten der untergegangenen KZ-Häftlingsschiffe „Cap Arcona“ und „Thilebeck“ kommt das Kriegsende nur um Stunden zu spät.

Während des gesamten Sommers 1945 wurden ihre Leichen und Leichenteile an die Strände der Lübecker Bucht in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gespült. Die Besatzungsmächte der britischen und sowjetischen Zone verfügten aus Angst vor Seuchen die sofortige Beerdigung der Opfer.

Hier, nahe dem mecklenburgischen Gutsdorf Groß Schwansee, wurden ein Massengrab und eine Gedenkstätte errichtet und it einem schlichten Birkenkreuz gekennzeichnet. Mitte der 1950er Jahren wurde dieses Massengrab in die Kreisstadt Grevesmühlen verlegt:

Eine Zählung der Grabanlagen ergab, dass es für etwa 3.000 Opfer kein Grab gibt. Ihr Grab ist die Ostsee geblieben. So ist dies auch ein Gedenkort für die auf See gebliebenen Opfer.“

Typische Kirchen Architektur in Mecklenburg-Vorpommern, hier die Marienkirche in Klütz

Zuerst fahren wir nach Travemünde, von dort an der Ostsee entlang, dann querfeldein, um an den Wohlenberger Wiek zu gelangen. Hier gibt es schöne Badestrände, die auch gut besucht sind. Über Gägelow erreichen wir die Hansestadt Wismar an der Wismarer Bucht. Die Innenstadt von Wismar ist die Innenstadt von Stralsund seit 2002 in die Liste der UNSECO Weltkulturen aufgenommen worden.

Wismar, alles sieht wunderschön hergerichtet aus.
Wismar Innenstadt
Der Marktplatz von Wismar

Während meine Begleitung wieder nach Lübeck zurückfährt, ist meine nächste Station Rostock. Dort erwarte ich meine Frau, die mich nun die nächsten 2 Wochen begleiten wird. Es regnet, als ich dort ankomme. Die Innenstadt ist relativ neu, große Fußgängerzone zeigt sich wir alle Fußgängerzonen, breite Wege mit den üblichen Geschäften der Textil-, Drogerie- und Lebensmittelindustrie. Aber Rostock hat auch schöne, alte Viertel, einen großen Hafen, – von hier aus starten die vielen Segelturns, Kreuzfahrten.

Das Steintor in Rostock, eines der Tore zur Innenstadt
Lauschiges Eck in der Innenstadt von Rostock an der großen Wasserstraße
Eine Ausflugsyacht am Hafen von Rostock
Aktionskunst in der Nikolaikirche in Rostock. Ein Jazzkonzert wird durch den Aktionskünstler Feliks Büttner verewigt.

Die Nikolaikirche in Rostock hat eine etwas ungewöhnliche Geschichte in der neueren Zeit erfahren. 1976 wurde in das gerade wieder errichtete Kirchendach Wohnetagen eingezogen. Nur so wurde die Renovierung der Kirche durch die DDR-Regierung auch finanziell unterstützt.

Warnemünde, man muss hier rüber, vorbei an dem viel zu großen Luxusdampfer für die Mündung der Warne

Im Nordwesten von Rostock, am Schwanenteichpark befindet sich die Kunsthalle Rostock, die als Prestigeobjekt der DDR 1951 geöffnet wurde. Auch heute werden dort Ausstellungen der zeitgenössischen Kunst der DDR und Kunst aus Osteuropa. Eine Spezialisierung, die einen Besuch lohnt.

Rostock liegt nicht am Meer. Bis dahin sind es noch ein paar Kilometer, nämlich bis Warnemünde, das ein Heilbad besitzt. Als ich dort ankomme, ist W. total überlaufen und die Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen in der viel zu kleinen Warnemündung.

Ostseestrand vor Stralsund
Auf dem Weg nach Graal-Müritz, einsame Wege. Hier ist Fahrradfahren eine Freude
Impressionen aus dem Darßer Urwald
Auf Darß – ein Urwald mit Meereszugang, nur mit dem Fahrrad zu erreichen
Prerow auf Darß. Ein kleinerer Teil der Stadt liegt bereits auf Zingst

Prerow ist eine Badeort auf Darß, hat eigentlich nur 1500 (2018) Einwohner, aber im Sommer ein vielfaches an Touristen. Vom Campingplatz kann man durch den Wald direkt neben dem Strand in den Ort wandern. Ein Deichweg führt nach Zingst. Er ist bei schönen Tag fast zu klein, um all die radfahrenden Menschen aufzunehmen.

Das Stadttor von Barth, auf den Weg nach Stralsund
Ehemaliges Speichergebäude in Stralsund
Ein wunderschöner Blick auf den Kleinen Jasmunder Bodden auf Rügen, kurz nach Lietzow
Die Kreidefelsen auf Rügen – sie sind ein Weltkulturerbe
Immer noch bedrückend: 4 km Hotelanlage der Nazis in Prora auf Rügen
Teile der Anlage werden wieder hergestellt und als teure Eigentumswohnungen verkauft.
Einer der Blöcke beherbergt das sehenswerte Nazi-Dokumentationszentrum, ein anderer die größte Jugendherberge Deutschlands.

Ich verlasse Rügen in Glewitz und setze mit der Fähre nach Stahlbrode aufs Festland.

Auf der alten Straße auf dem Festland bei Mesekenhagen Richtung Greifswald. Schöne Alleen, schlechte Radwege, leider.
Der Marktplatz in Greifswald

Der Campingplatz befindet sich im Ortsteil Wieck von Greifswald, einem touristisch hergerichteten ehemaligen Fischerdorf, direkt am Ufer. Er ist sehr schön gelegen, hat eine sehr alte Klappbrücke und es macht Spaß, ein paar Ausflüge rund um diese Gegend zu machen.

Typisches Stadtbild in Wogast, auf den Weg nach Usedom
Hier Wogast, drüben Usedom. Eine große bewegliche Brücke trennt das Festland von der Insel.
Wo war denn Vineta, die sagenumwobene Stadt, jetzt wirklich?

Ähnlich wie Störtebecker, der sein Unwesen von Nordsee zur Ostsee getrieben haben soll, – in Ralswiek auf Rügen findet sogar jedes Jahr ein Störtebecker Festival statt, – ist auch Vineta angeblich fast überall an der Ostsee versunken. Aber nirgendwo wird dafür soviel Werbung betrieben wie hier in Zinnowitz auf Rügen. Der Sage nach haben die Bewohner die Weissagung einer Fee ignoriert, nicht so lasterhaft zu leben. Die Stadt ereilte daraufhin eine große Flutwelle und versank im Meer.

Am Seebad Zempin auf Usedom. Die Strände sind vergleichbar mit denen auf Rügen.
Auf dem Weg quer über Usedom nach Kamminke zur Überfahrt auf das Festland durch ausgedehnte Wälder

Ich durchquere Usedom auf dem Land, durch viele kleine, aber verlassene Dörfer, viel Wald durch die Zernisee-Senke und erreiche Kamminke, das kleine Dorf am Rande des Stettiner Haffs, nur wenige Kilometer vom polnischen Teil von Usedom entfernt.

Für den weiteren Verlauf meiner Radtour durch Deutschland siehe auch Radfahren in Ostdeutschland

Mit Rad und Zelt – immer der Nase nach

Eine Buchbesprechung des gleichnamigen Buches

Angekommen im Westen: Strand am Atlantik in Portugal

„Mit Rad und Zelt – Immer der Nase nach“
Die Neuentdeckung Westeuropas – eine Reise von München nach Lissabon und zurück

Ich wurde oft gefragt, warum noch ein Fahrradbuch? Es gibt doch schon so viele davon, die die wunderschönen Landschaften, Flussläufe, Bergtouren beschreiben. Was also macht dieses Buch hier anders?

Um das zu beschreiben, was mich dazu bewegte, solch ein Buch zu schreiben, will ich einen naheliegenden Vergleich wagen.

360 Grad Sicht

Auf meiner Reise nach Süden begegnete ich viele schöne Aussichten, Gebäude, Plätze. Sie tauchen immer wieder in schönen Fotografien auf, – Postkartenmotive, tausendfach geknippst und verschickt. „Ich bin gerade hier, hier ist es sooo schön“, der fast stereotype Begleittext dazu. Meist noch mit strahlend blauem Himmel im Hintergrund. Ja, die habe ich auch gesehen, ich habe auch manches Motiv in ähnlicher Weise verschickt. Aber es sind häufig potemkinsche Postkartenmotive. Sie zeigen die eine Fassade des gerade Gesehenen. Schon eine Drehung der Kamera um 90 Grad und das Bild zeigt einen überfüllten Parkplatz, Einkaufshäuser, hochgezogene Hotelanlagen. Ein Paradebeispiel hierfür ist die wunderschöne Strandkulisse in Albufeira in der Algarve. Aber ich denke auch an die Küstenstraßen an der Costa del Sol, Calp und Benidorm, die Lagunenstädte an der französischen Mittelmeerküste. Plätze, die ähnliche Einschränkungen besitzen. Es sind Plätze, dem Tourismus und Massenkonsum untergeordnet, ohne Sinn und Verstand hochgezogene Infrastrukturen, damit diese Postkartenmotive möglichst vielen Menschen mit ihrem Privatauto zugänglich gemacht werden können. Hin und wieder sehe ich auch Gegenbeispiele, wo die Privatautos z.B. verbannt sind und Shuttledienste die Menschen zu den Zielen bringen, z.B. in den Nationalparks an der Loire oder die Alhambra in Granada.

„Glaube keinem Postkartenmotiv, das du nicht selbst in seiner Umgebung gesehen hast“, könnte eine der Maxime sein. Erst eine 360 Grad Sicht zeigt, ob das Motiv wirklich so schön ist.

Wer kennt das nicht? Hotelburgen an schönen Stränden – wie hier in Monte Gordo (Portugal)

Halbkugelsicht

In Zeiten von Flugverkehr, Industrieschlote, Verkarstung der Gebirgslandschaften lohnt es sich auch, mal nach oben zu schauen. Man könnte hinzufügen, eigentlich ist eine „Halbkugelsicht notwendig, um vermitteln zu können, was wirklich dahintersteckt. Also neben links und rechts auch nach oben zu schauen und die Eindrücke eines Gesamtbildes wirken lassen.

Es ist mein Versuch in diesem Buch, die durchreisten Gebiete in dieser Halbkugelsicht zu beschreiben. Was heißt das? Zunächst heißt das, nicht nur die Highlights sondern auch die Lowlights dessen, was ich sehe und erlebe, zu beschreiben. Es sind wundervolle Erlebnisse, aber auch ein manches Mal enttäuschende Situationen, die vielleicht in dieser Form kein zweites Mal mehr passieren können, Eine Fahrt durch den Wald, ein Aufenthalt am Strand, eben schöne, relaxierende Situationen, aber auch überfüllte Touristenorte, drängeln, aufpassen müssen, damit nichts gestohlen wird, teure Restaurants mit schlechtem Essen, all das passiert sicherlich jedem einmal und sollte in den Gesamteindruck mit einfließen. Beispiel: das völlig überfüllte Barcelona, oder die Insel Mallorca, das völlig überfüllte Porto, Negativbeispiele für den überforderte Städte durch einen überbordenden Tourismus (besonders in Saisonzeiten, aber nicht nur dann) – obwohl wunderschöne Städte, zumindest von der Architektur und von ihrer reichen Geschichte.

Politische Kontexte erkennen

Darüber hinaus versuche ich, politische Kontexte, seien es allgemeinpolitische, oder umweltpolitische oder kulturpolitische Aspekte mit einzubinden, denn sie gehören zu diesem Westeuropa genau so dazu wie die einzelnen Sehenswürdigkeiten, die ja selbst auch einen historischen Bezug haben.Eine wichtige Rolle hierfür spielt die Landessprache. Nach wie vor für mich nicht vorstellbar ist es, dieses Halbkugelverständnis entwickeln zu wollen, ohne zumindest etwas von der jeweiligen Landessprache zu verstehen. Das Verstehen der Landessprache, und sei es auch nur radebrechend ermöglicht mir, mit der Bevölkerung Kontakt aufzunehmen, ihre innere Gedankenwelt mit zu erleben. Glaubt mir, damit sieht man ein Land, eine Region mit vollständig anderen Augen.

In diesem Blog sollen alle zu Worte kommen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Oder mir widersprechen wollen. Was habt Ihr denn gesehen, erlebt. Es müssen keine Beiträge sein, die genau die Länder/Strecken bearbeiten. Andere Gegenden und Strecken, andere Erlbenisse bereichern den Blog, befähigen, die Aussagen zu vertiefen, sind willkommen.


© Maria Sauheitl

Das war die Strecke, die ich zurückgelegt habe und im Buch beschrieben habe.

Radfahren in den Niederlanden

In den Niederlanden ist Fahrradfahren weit entwickelt

Einigermaßen erstaunt bin ich in Enschede, vielmehr auf den Weg von der deutschen Grenze nach Enschede, dass neben der Straße vierspurige Radwege verlaufen, zwei für jede Richtung. In Anlehnung an die Autobahn eine Fahrradbahn! Nun ja, Holland, Radlland, denke ich, nicht ganz politisch korrekt. Als ich nach Deventer weiterfahre, und dann dort mich Richtung Stadtmitte bewege, staune ich noch mehr. Die Radwege sind inzwischen  sechsspurig ausgebaut. Die Kreuzungen mit Autowegen – so nenne ich hier mal die Spuren, die für die Autos reserviert sind – folgen anderen Regeln, als ich sie jemals kennengelernt habe.

Radfahrer_innen und Fußgänger_innen habe unterschiedliche Anforderungsknöpfe

Nicht nur, dass es getrennte Ampeln für Fußgänger_innen und Radfahrer_innen gibt, die auch unterschiedliche Phaseneinteilungen haben. Jede dieser Ampeln hat einen eigenen Anforderungsknopf. Wenn es grün für die Fahrräder wird, heißt das z.B. nicht, dass auch die Fußgänger_innen überqueren dürfen. Sie haben ja das Grün nicht angefordert. Auch kann sich die Grünphase für Fahrräder auf die Überquerung genau meines Fahrrades beziehen, ist also relativ kurz, so dass sie für Fußgänger_innen unbrauchbar ist.

Sogar durch den Wald gibt es eigene Wege für Fahrräder und forstwirtschaftliche Fahrzeuge

Sondern, vielmehr noch, es gilt der Grundsatz: Grün für den Anforderer. Wenn ein Auto zuerst anfordert, dann darf es zuerst passieren, wenn ein Fahrrad zuerst kommt, dann schaltet die Autoampel auf Rot und die Fahrradampel auf Grün. Kaum die Straße überquert, wird diese dann wieder rot. Optimale Anpassungsstrategie. Das kann bei komplexen Kreuzungen dazu führen, dass die Anforderungsrichtung eine grüne Phase bekommt, während die Gegenrichtung warten muss. In den größeren Städten, wie in Amsterdam, gelten, bedingt durch das höhere  Verkehrsaufkommen, solche Regeln nur sinngemäß. Hier werden die Phasen so optimiert, dass auch hier gilt: Bei den Vorfahrtsregeln ist jeder gleichberechtigt. Ob Rad oder Auto, jeder wird gleichbehandelt. Hohes Aufkommen auf der Radspur bedingt eine längere Grünphase für Rad und umgekehrt. Und das heißt auch, dass es auch durchgehende Grünphasen für Fahrräder gibt, etwas, was ich hierzulande nur für Autos kenne. Endlich auf Augenhöhe mit den Autos!

Die Innenstädte – niedrig, autofrei, wie hier in Deventer
Alle Einkäufe werden mit dem Fahrrad erledigt, hier in Amersfoort
Tausende Fahrräder am Bahnhof in Amsterdam

Rechtsabbiegende LKWs sind keine Gefahr

Wie ist die Regelung für die rechtsabbiegenden Autos und LKWs, eine der häufigsten Unfallquellen für Radfahrer_innen? Die Antwort ist einfach. Wo immer es geht, – und das hat natürlich mit Stadtplanung und Stadtentwicklung zu tun -, gibt es eine eigene Ampel für den rechtsabbiegenden Verkehr.  Konflikte wegen gleichzeitigem Fahren gibt es dann nicht mehr. Wo das nicht möglich ist, werden die Radwege soweit von der Kreuzung weg verlegt, dass ein Rechtsabbieger_in das überquerende Fahrrad von vorne sieht und nicht auf den Seitenspiegel angewiesen ist. Das kennt man eigentlich auch in Deutschland, trotzdem habe die meisten Kreuzungen das noch nicht realisiert.

Eine der zahlreichen Knotenpunkte für Mitfahrgelegenheiten mit dem Auto. Dort werden die Fahrräder wetterfest geparkt

Ein besonderes Schmankerl für die Eiligen ist, dass zur jeden Fahrradampel eine rückwärtslaufende Uhr angebracht ist, die die Zeit bis zur nächsten Grünphase angibt und man sich daher ausrechnen kann, ob man nun absteigen oder im Sattel warten kann. In Kombination mit einer durchgehenden Grünphase für Radfahrer gibt es dann den Effekt, dass die Uhr sofort auf null Sekunden zurückfällt, wenn ein Radfahrer_in vorzeitig das Grün erhält. Oder, wenn man scheinbar noch 30 Sekunden warten muss, weil gerade ein Auto Vorfahrt hat, diese dreißig Sekunden aber dann plötzlich auf eine Sekunde zurückfallen, weil kein Auto mehr die Kreuzung beansprucht und man deshalb nicht die restlichen 29 Sekunden sinnlos ausharren muss.

Das NEMO Wissenschaftsmuseum in Amsterdam
An den Grachten im Amsterdam ist es zu eng für Autos

Grüne Welle für die Radfahrer_innen

Nicht genug damit: Wenn kein Auto in der Nähe ist, dann fallen die 30 Sekunden sofort auf null und die Ampel schaltet auf grün, ohne dass man den Anforderungsknopf drücken muss. Bei durchgehenden Grünphasen passiert es sogar, dass die Ampeln auch dann auf Grün schalten, wenn Autos vorhanden sind, und diese dann warten müssen. Vorfahrtsregeln nach dem Gleichberechtigungsprinzip!

Induktionsschleifen im Belag ermöglichen eine grüne Welle für Fahrräder

Möglich wird das durch das Einlassen von Induktionsschleifen in den Straßenbelag sowohl für die Autos als auch für die Fahrräder. Eine lokale Ampellogik steuert dann die Uhren und die Ampeln. Das klappt alles hervorragend in den Niederlanden.

Gibt es auch Nachteile?

Wo liegt der Hase im Pfeffer? Solchermaßen strenge Regelungen für Fahrräder und Autos haben auch zwei kleine, aber nicht zu unterschätzende Nachteile:

Erstens, auch Mopeds dürfen auf den Radwegen fahren, Mopeds, die zwar nur für maximal 25 Stundenkilometer zugelassen sind, de facto aber auch schon mal 40 Stundenkilometer auf dem Tacho anzeigen. Das gefährdet die normalen Radfahrer_innen des Öfteren, wenn diese das nicht kennen oder nicht gewohnt sind, damit umzugehen.

Zweitens aber führt der Ausbau der Radwege dazu, dass Radfahrer_innen nicht auf den Autowegen fahren dürfen. Konfliktreiche Situationen sollen so durch die radikale Trennung der zwei Welten vermieden werden. Wenn ich dann aus Versehen oder nicht, mal hundert Meter auf einem Autoweg fahre, werde ich durch wütendes Hupen auf meinen Fehler aufmerksam gemacht. Mir ist es auch einmal passiert, dass ein Auto mich so nahe überholt hat, dass zwischen Auto und mir maximal ein Zentimeter Luft war. Eine sehr gefährliche Situation, die zeigen, dass nach wie vor in manchen Köpfen eine gewisse Aversion gegen die Radfahrer_innen existiert.

Das soll aber nicht die Freude am Radfahren in den Niederlanden beinträchtigen.

Juli 2019

Wunderschöne Wege an zahlreichen Kanälen durch die Niederlanden – hier vor Leeuwarden
Auf der Insel Ameland – km weite Watt, davor eingelassene Fahrradwege
Und noch ein Eindruck von Ameland

Radfahren in Portugal

Überblick:
Teil 1: Von Monte Gordo nach Lisboa
Teil 2: Von Lisboa nach Elvas
Teil 3: Lisboa
Teil 4: Von Lisboa nach Viana do Castelo

Teil 1: Von Monte Gordo nach Lisboa

Portugal – Land im Westen Europas, Land der Fische, der Korkeichen, des Eukalyptus. Land des Fados und der Saudade. Ein schönes Land. Wenn man am Atlantik im Sand sitzt und im Sonnenuntergang dem lauten Branden der Wellen lauscht, dann stellt man sich gerne den Weg vor, den dieses Wasser in den Wellen genommen hat. Mit verschlossenen Augen nehmen die Wellen dann einen wieder mit auf den offenen Atlantik, dort wo scheinbar jedes Ziel auf der Welt erreichbar ist. Das ist es auch, diese Sehnsucht der Portugies_innen, diese Saudade hängt sehr stark mit diesen Träumen zusammen. „Ich möchte weg, ich möchte die Welt sehen, woanders mein Geld verdienen“.

Ein erster Blick auf Portugal – auf Vila Real de Santo António über den Fluss Guadiana in der Algarve

Das scheint ein Widerspruch, nicht? Jede_r Portugies_in ist zehnmal lieber in Portugal, – frägt man sie_ihn, aber im letzten Jahrhundert hat es einen Exodus gegeben, aus politischer und auch aus wirtschaftlicher Not heraus. Und saudade heißt dann im Exil, die Sehnsucht zur Rückkehr, dort wo man die Träume wieder von vorne erträumen kann.

Die Algarve

Lässt man diese geschichtliche Dimension weg, begegnet dem Radfahrenden Portugal mit kleinen Dörfern, hell und wenig strukturiert. Aber man fühlt sich dafür ungemein willkommen.

Trifft so genau auf die Lebensphilosophie vieler Portugiesen zu:
„Ich bin geboren worden, um glücklich zu sein und nicht perfekt“.

Dieser Spruch auf dem Bild „eu nasci pra ser feliz e naõ perfeito“ („Ich bin geboren worden, um glücklich zu sein und nicht perfekt“) entspricht – nach allem, wie ich die Menschen in und aus Portugal kennen gelernt habe- so genau der Lebensphilosophie, dass ich diesen Schnappschuss aus Olhaõ in der Algarve zu meinem Lieblingsfoto erklärt habe. In Portugal ist nichts perfekt, die Mülleimer nicht geleert, die Wand nicht gestrichen, die Straße eine Sackgasse, aber dafür lebt man anders, vielleicht sogar glücklicher, wenn ich diese etwas unpolitische Unkorrektheit mal so schreiben darf.

Die 70 Jahre färben auch hier ab – Touristenburgen in der Algarve – hier Monte Gordo
Olhão – Stadtmitte
Mit dem Boot von Olhão auf die vorgelagerte Insel Culatra, die zum Teil wegen Munitionsreste aus dem ersten Weltkrieg gesperrt ist
Auf Culatra in der Algarve
Sie dürfen nirgendwo fehlen in Portugal – gegrillte Sardinen

Essen gehört zur jeder Kultur und ist in jedem Land recht unterschiedlich. Wann immer es um das Kennenlernen eines Landes geht, ist der Posten „Essen“ mit unterschiedlicher Gewichtung dabei. In Portugal besonders stark. Dabei geht es nicht um filigrane, ausgefeilte Menüs, wie z.B. in Frankreich, es reicht, das zuzubereiten, was das Land in natürlicher Weise hergibt. Fisch ist das Hauptgericht einer Kulinarik, die sich des fischreichen Golfstromes vor der Küste bedienen kann. Noch, – denn der Abgriff weit draußen vor der Küste durch riesige Fischtrawler setzt den Beständen zunehmend zu.

Orangenplantagen im Hinterland der Algarve

Das Hinterland der Algarve kennt nur wenige Großgrundbesitze, was zu einer hohen Diversität der Flora führt. Wunderschön anzuschauen ist die Abwechslung von Orangenhainen, Korkbaumhainen und die vielen Gemüsefelder der einzelnen Kleinbauern. Aber der Eindruck darf nicht täuschen. Kleinbauern können heute kaum noch überleben. Zum Glück gibt es den Tourismus, das sei an dieser Stelle auch mal kritisch bemerkt. Dieser ermöglicht es fast allen, in der einen oder anderen Form ein Zubrot zu verdienen.

Touristische Trabantenstadt Armação de Pêra

Wer die offizielle EuroVelo Karte anschaut, der erwartet in der Algarve einen ausgebauten und beschilderten Fahrradweg des EuroVelo 1 Abschnittes. Dies ist aber nicht so. Ich habe weder einen Weg noch ein Schild sehen können. Dass ich da nicht blind war, bewiesen mir die zahlreichen Anfragen entgegenkommender Radler, wo denn hier die Euro1 sei. Gleiches gilt auch für Rest-Portugal, zumindest bis Lissabon. Das ist sehr schade, Portugal ist kein klassisches Radfahrer Land, so wie Frankreich und sogar Spanien. Ich denke und hoffe, dass sich das noch ändern wird.

Ein Museum für Skulpturen aus Sand: Hier Yoda aus Star Wars nachgebildet in der Sand-City in Pêra
Klein und überschaubar – die Innenstadt von Lagos
Korkeichen im Innenland der Algarve
Endlich am Atlantik – hier in Aljezur

Im nordwestlichen Zipfel der Algarve liegt die uralte Stadt Aljezur, die wie der Name schon ausdrückt, eine alte maurische Stadt ist, al jazair („Inseln“) übersetzt. Algeciras in Spanien hat übrigens die gleiche Wortherkunft. Von Süden kommend, ist es das Tor zum Atlantik, das Meer ist wild, frisch, sauber, die Strände weiß, groß, der Sand angespült und füllt die Buchten der ursprüngliche Felsküste. Auch hier traf das große Erdbeben von 1755, welches Lissabon bis auf eine Handvoll Häuser zerstörte, das Mark der Stadt. Was man heute sehen kann, ist der Wiederaufbau im 18 Jahrhundert.

Kleine Gassen in der Innenstadt von Alt- Aljezur

Der Alentejo

Einsame Straßen im Alentejo, hier nach Melides

Weiter an der Küste nach Norden trifft man auf den für mich schönsten Küstenabschnitt in Portugal, – ein durchgehender Sandstrand von Sines bis Setubal. Wir sind bereits im Alentejo (jenseits des Tejos), im Land der Kornkammer, des Weines, der Korkeichen, des Mamorabbaus. Es ist nicht so überlaufen wie in der Algarve, was natürlich daran liegt, dass das Wasser relativ kühl ist und meist hohe Wellen hat – im Schnitt nur 17 Grad, auch im Hochsommer. Aber im Landesinneren kann es durchaus 40 – 45 Grad heiß werden.

Ursprünglich und wunderschön: Die Strände von Sines bis zur Troía

Teil 2: Von Lisboa nach Elvas

Über Lissabon selbst berichte ich weiter unten.

Évoramonte mitten im Alentejo
Abendsonne über den Alentejo – Blick von der Burg in Évoramonte

Im Zentrum von Alentejo, nur etwa 30 km von Évora entfernt, befindet sich die Burg Évoramonte mit einer Terasse nach Westen, wo man abends den Sonnenuntergang sehen und das hügelige Panorama des Alentejos bewundern kann.Diesen Blick müssen die Römer und Mauren früher auch gehabt und sich dabei wohlgefühlt haben. Der Alentejo war eine der ihrer Hochburgen.

Abbau von weißem Marmor in Estremoz
Elvas – das Tor nach Spanien, mit dem 4 stöckigem Aquädukt aus dem 16 Jhrt.

Die weiteren Routen in Spanien kann man hier nachlesen.

Teil 3: Lisboa

Lissabon – Lisboa

Landung in Lissabon mit der Fähre – das Denkmal von Heinrich, dem Seefahrer

Lissabon – die für mich unglaublichste Stadt Europas, wird immer noch als eine der schönsten Städte der Welt gelistet. Hier war der Hafen für die Entdeckungen in ferner Zeit, Ursprung einer brutalen Kolonialzeit, an der sich die anderen Staaten Europas ebenfalls beteiligten. (Diese Zeit dauerte immerhin bis 1975, fast 400 Jahre lang. Viele Völker wurden versklavt und zu Tode gefoltert. Heute werden alle diese Länder in die Pflicht genommen, ein Teil des Schadens wieder gut zu machen. Ob es gelingt, den Völkerfrieden wieder herzustellen?)

Lissabon – auf 7 Hügeln erbaut, – wurde 1755 nach dem verheerenden Erdbeben neu aufgebaut, In der Innenstadt – die Baixa wurden geradlinige Prachtstrassen angelegt, die Stadt neu designed. Eine Novität in der damaligen Zeit. In der Folgezeit kamen viele Parkanlagen dazu und ein Tramnetz, welches Lissabon heute so berühmt macht.

Die Altstadt Lissabons – In den Klauen von Europas Spekulationsmakler

Allerdings hat die „Schönheit der Stadt“ heute einen hohen Preis. Immobilienhaie haben die Altstadt Lissabons fest im Würgegriff. Für die einen der Rausschmiss aus der Stadt, weil sie die Mieten nicht mehr zahlen können, für die anderen ein Glücksfall, weil so die Stadt vor dem Zerfall bewahrt wird.

Die Basilika von Estrela in Lissabon

Auch wenn sie sich stark verändert hat : Lissabon ist die Stadt meiner Kindheit, verwinkelt, es gab und gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Und der Badestrand ist nicht weit entfernt. Heute mehr denn je, denn zwei Brücken verbinden den Mittelteil Portugals mit dessen Südteil . Autobahnen wurden gebaut, die meisten nach 1986, als Portugal in die EU eintrat. Der ÖPNV ist gut ausgebaut, aber langsam. Und er ist kein Verkehrsverbund. Jedes Umsteigen kostet extra. Wieder ein Argument für das Fahrrad.

Flugzeuglärm trübt den Aufenthalt in Lissabon
Nicht ganz ungefährlich – die Straßen in Lissabon sind nicht alle fahrradtauglich

Allerdings ist Radfahren in Lissabon eine Qual. Erstens sind die sieben Hügel, auf denen Lissabon gebaut ist, sehr steil und es kostet Mühe, sie zu bezwingen, zweitens haben viele Straßen noch ein Kopfsteinpflaster, welches nur „ungefähr“ plan aufgebracht wurde und damit für Fahrräder schwer zu befahren sind. Ähnliches gilt für ganz Portugal: Die Infrastruktur berücksichtigt das Radfahren nur sehr zögerlich. Vorsicht auf den Straßen ist überall geboten.

Das Aquädukt in Lissabon – es hat das große Erdbeben 1755 fast unbeschädigt überstanden
Immobilienwahn in Lissabon: Hier Anzeige einer Immobilienfirma: „Wir tun alles, damit Sie Ihr Haus verkaufen“.

Viele Lissaboner_Innen wohnen zur Zeit in den Trabantenstädten rings um Lissabon und überlassen die Kernstadt diesen Immobilienmaklern. Schade eigentlich, weil die vielen schönen Plätze zunehmend verwaisen, bzw. ausschließlich touristisch genutzt werden.

Teil 4: Von Lisboa nach Viana do Castelo

Den nächsten Abschnitt lege ich mit dem Auto zurück. Meine Frau kommt mich besuchen und wir gönnen uns diese Ausnahme. Ausnahme auch in Bezug auf diesen Blog, aber dazu stehe ich. Es geht um Gleichberechtigung auf der Straße und nicht um ein purifiziertes Fahrradfahren.

Wir fahren nordöstlich in den Ribatejo, rüber über Leiria und Coimbra nach Norden. Weiter nach Porto und Viana do Castelo, bevor wir dann wieder die Rückfahrt nach Lissabon antreten.

Der Ribatejo und die Estremadura

Der Tejo im Hinterland leidet: Er bekommt zu wenig Wasser. Fast alle Flüsse in Portugal sind von den Hinterläufen in Spanien abhängig. Hier in Santarém

Wenn man in Santarem aus dem Jardim das Portas do Sol („Garten der Sonnentore“) von oben hinunterschaut auf den Tejo, dann sieht man, wie dieser leidet. Er versandet zunehmend, und was übrig bleibt, wird weiter flussaufwärts durch Industrieabwasser verschmutzt. Dagegen stellt sich in Santarem nun eine breite Bürgerbewegung.

Überhaupt profitieren Städte im Landesinneren nur dann vom Touristenboom, wenn sie (sehr) alte Ausgrabungen anzubieten haben. Santarem als Hauptstadt des Ribatejos dagegen verwaist zunehmend, die Innenstadt zerfällt immer weiter. Denn auch die Portugies_innen zieht es zunehmend dahin, wo alle wohnen, an die Küste, in die Hauptstadt.

Noch ist der Druck zu klein, um eine Umkehrbewegung zu initiieren nach dem Motto: Entdeckt Euer Binnenland wieder. Dazu ist die Infrastruktur des Binnenlandes nicht entwickelt genug. Aber ich glaube, dass dieses bald kommen wird.

Das ist natürlich nichts Portugal spezifisches, das habe ich in den Ländern Frankreich und Spanien genauso erlebt.

Wildes Meer, offener Atlantik bei São Pedro de Moel

Wir fahren weiter und kommen in das Gebiet rund um Leiria. Uns stockt der Atem: Soweit das Auge reicht, sind verbrannte Wälder zu sehen, nur die schwarzen Gerippe der abgebrannten Baumstämme stehen noch. Das ist der Stand August 2018. Wir fahren 20 bis 30 Kilometer durch solch ein Gebiet bis nach São Pedro de Moel, das an einem wilden, sehr schönen und abgelegenen Strand liegt. Das Dorf selbst ist sehr touristisch, und schon immer verbrachte hier die Elite Lissabons ihre Ferien.

Porto

Die Haupthalle des Bahnhofes in Porto

Porto- das war lange Zeit die heimliche Hauptstadt Portugals. Vor allem im 18ten und frühen 19ten Jahrhundert war hier die Industrie angesiedelt, nicht zuletzt wegen der Verschiffung des Portweines. Auch heute noch ist die Industriedichte hier weitaus größer als in Lissabon. Man sagt auch – und da sind sich die Menschen in Portugal ausnahmsweise einig- „In Porto arbeitet man, in Lissabon lebt man“.

Darüber hinaus ist Porto zu einer hippen Stadt für junge Tourist_innen geworden. Da die Altstadt viel kleiner ist als in Lissaon, bedeutet das ein Massengeschiebe in der Hochsaison. Aber auch sonst ist Porto zu einer ganzjährigen Touristenstadt geworden. Trotzdem lohnt sich ein Besuch. Diese Stadt hat nichts mit den geschniegelten Städten Deutschlands oder Nordeuropas zu tun. Hier herrscht die Buntheit des Lebens, scheinbar ohne äußere Zwänge.

Das täuscht natürlich, denn auch Porto, und vor allem die Innenstadt und die Uferviertel befinden sich zunehmend in den Fängen von Spekulanten.

Die Altstadt Ribeira in Porto
Die zweistöckige Brücke Ponte Dom Luís I, erbaut von Eiffel von 1881

Im Douro Litoral und Alto Douro

Im Ursprungsland des Portweines: Im Hinterland des Douro

Heißt Porto so, weil dort der Porto herkommt? Wenn nicht, wo kommt dann der Portwein wirklich her? Das sind die Standardfragen einer_s Besucherin_s, wenn er_sie in die Region fährt. Um die Fragen aufzuklären: Porto heißt Hafen und tut natürlich nichts anderes, als den Portwein in die weite Welt zu verschiffen, meist nach England, denn viele der Portweinkellereien gehören englischen Familien seit Generationen. Noch nicht einmal die „Kellereien“ in der Vila Nova de Gaia sind wirkliche Kellereien. Manche waren es früher einmal, heute sind sie nur noch Showrooms für die Tourist*Innen.

Der Portwein selbst kommt aus dem Hinterland des Douros. Dort werden Wein angebaut und der Wein in den Kellereien veredelt. Deshalb heißt der Wein eigentlich korrekt: Dourowein. Man nennt ihn aber Portwein zur Unterscheidung der veredelten von den nicht veredelten Weinen aus der Region. Zentrum dabei ist Peso da Régua. Wenn man dahin fährt, dann versteht man, warum dort der Wein besonders gut gedeiht. Steile Hänge rechts und links des Douros ermöglichen viel Sonneneinstrahlungen, felsige Hänge die Wärmespeicherung.

Eine Bootsfahrt auf dem Douro bei Peso da Régua

Unvergessen bleibt dabei eine Bootsfahrt den Douro hinauf, vorbei an den Weinhängen und den vielen auch in Deutschland wohlbekannten Portwein Kellereien,

Im Minho

Santoinho in Viana do Castelo – Ein Festabend in einer Quinta mit minhotischen Tänzen. Ein Muss für alle, auch für die Portugies_Innen

Am nördlichsten Zipfel Portugals kann man in den Minho eintauchen. Wie überall in Portugal sind in den Grenzgebieten Einflüsse der jeweils anderen Seite in Spanien zu entdecken, hier die des Galiziens. Man ist stolz, Minhote zu sein, man hat seine eigene Musik, seine eigenen Tänze. Minhotische Tänze kann man entdecken, wenn man nach Santoinho fährt. Es liegt südlich der Hauptstadt Viana do Castelo.

In Santoinho kann man 2 mal wöchentlich auf einem Gutshof die minhotische Kultur kennen lernen. Für einen Beitrag von ca 13 Euro gibt es neben „all you can eat“, „all you can drink“ auch ein „all you can dance“. Das Essen schließt Sardinen, Fleisch, Suppe, Wein ein. Zuerst werden dabei die typischen minhotischen Tänze aufgeführt, bevor dann alle auf das Tanzparkett eingeladen werden. Ein echtes Vergnügen nicht nur für Tourist_innen.

Natürlich sollte man auch Viana do Castelo mit der relativ neuen Kirche Igreja de São Domingo als Wahrzeichen hoch oben auf dem Berg besuchen. Viana hat auch die Dienste des Architekten Eiffel in Anspruch genommen, wie auch in Lissabon mit dem Elevador de Santa Justa. Hier erbaute er die wirklich sehenswerte Brücke über den Fluss Lima.

Am Ende dieses Ausfluges geht es über Ericeira wieder zurück nach Lissabon. Dieses kleine Fischerdorf ist inzwischen so touristisch, dass man von den Fischern nicht mehr viel sieht, man muss sie suchen. Viele Tourist*Innen benutzen Ericeira auch als Ausgangspunkt für Lissabon-Touren. Die Strände sind klein und voll und in der Stadt quirlt das Leben. Eindrucksvoll die Steilküste vom Strand hoch zur Stadt.

Radfahren in Spanien

Überblick:
Teil 1 : Durch Catalunya und Mallorca
Teil 2: Von Valencia bis Ayamonte
Teil 3: Von Badajoz nach Salamanca
Teil 4: Von Salamanca nach San Sebastian/Donostia

Teil 1: Durch Catalunya und Mallorca

Ich durchquere Spanien von Südosten nach Südwesten, von Zentralspanien nach Nordosten, Ich komme von Perpignan, auf der französischen Seite und überquere die Pyrenäen auf der legendären römischen Handelsroute Via Domitia und komme in La Junquera in eine Grenzstadt, in der überall gehandelt wird, LKWs ihre Ladung wechseln. Aber die Flora ist südländisch. Überall sieht man den Ginster blühen.

Bunte Berglandschaft in den Pyrenäen – hier bei Capmany in den Pyrenäen

In Spanien gibt es wenige reine Radwege, es gibt nur drei Routen im Eurovelonetz – die Nr. 1 (Nord-Süd), Nr 3 (Norden) und die Nr 8 (Süd). Für den Rest muss man sich daran gewöhnen, auf dem Seitenstreifen der Nationalstraßen fahren zu müssen, was übrigens geduldet wird. Die Seitenstreifen sind mindestens 1,5 Meter breit, das reicht aus, bequem darauf zu radeln, allerdings mit einer erheblicher Lärmbelästigung. Die Autofahrer sind angehalten, 1,5 Meter Abstand zu halten, woran sich die meisten halten. Das habe ich in ganz Europa so nicht erlebt, obwohl die Regel überall gleich ist.

Catalunya

Dali – Museum in Figueres

Spanien – hier Katalonien befindet sich in Aufruhr. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen werden mit harter Hand bestraft. Politiker werden ins Gefängnis gebracht, gewählte Bürgermeister werden abgesetzt. Überall sind die sichtbaren Zeichen des Protestes zu sehen – eine gelbe Schleife. Sie steht für die Aufforderung: Lasst die Gefangenen frei!

Catalunya – Sichtbares Zeichen des politischen Konfliktes: Lasst die Gefangenen frei
Girona- mit der ungeraden Kathedrale
Strand in Blanes im Frühling Anfang Mai – noch ist es einsam
Steile, wilde Küste an der Costa Brava bei Mataró
Menschen tanze auf der Straße in Badalona

Ich komme nach Barcelona, eine der wichtigsten Industriemetropolen Spaniens. Die Menschen machen Gruppentanz auf der Straße, wie im Bild in Badalona. Barcelona hat eine sehr schöne Innenstadt. Sehr bekannt ist La Rambla, eine Allee durch die Innenstadt. Mit dem Fahrrad lässt sich die Innenstadt in ein paar Stunden erobern, Prachtbauten überall, die zeigen, dass Barcelona ein reiche Stadt ist. Aber es sind sehr viele Tourist_innen – ganzjährig- dort. Und die Wohnungspreise sind so hoch, dass die Bewohner der Stadt ins Umland zurückgedrängt wurden.

Barcelona – enge, kleine Innenstadt – hier im Regen

Mallorca

Mallorca -steile Badeküste bei Sa Rápita

Von Barcelona mit dem Schiff nach Mallorca. Diese Insel hat sehr viele wild zerklüftete Uferpassagen, ein Flair vom Mittelmeer. Wenn nur nicht die vielen Tourist_Innen wären. In den Sommermonaten werden allein 100.000 Mietautos (2017 laut www.mallorcazeitung.es) auf der Insel sein. Die Bevölkerung wehrt sich. Die Wege auf Mallorca sind kanalisiert durch Mauern und Zäunen, entweder als Besitzschutz oder aus Naturschutzgründen vor dem Betreten durch die Tourist_Innen. Ein Besuch mit gemischten Gefühlen. Die Spaziergänge und Radfahrten durch die Landschaften und am Meer aber sind durch ihre Unterschiedlichkeit absolut empfehlenswert.

Alle Badegelegenheiten werden auf Mallorca genutzt – auch die steilen Felsen als Sprungschanze
Das meiste Gebiet auf Mallorca ist gesperrt – wegen Privatbesitz oder wegen Naturschutz
.. dennoch ist ein Spaziergang direkt an der Küste ein Genuss
Die Kathedrale in Palma ist eine der großen Touristenattraktionen, aber auch schon im Mai einfach überlaufen

Teil 2: Von Valencia bis Ayamonte

Communidad Valenciana

Wieder an Land in Valencia. Ich hatte Orangenhaine erwartet, mir begegnen aber Reisfelder. Die Gegend hat viel Wasser, sodass die Orangen mehr im Hinterland zu finden sind.

Valencia – majestätischer Plaça de l´Ajuntament
Um Valencia- Reisanbau – nicht jeder Kanal führt sauberes Wasser
Auf den Weg nach Alicante – moderne Strandgebäude, aber dreiviertel des Jahres leerstehend
Calp – die Bettenstadt mit dem Penyal d’Ifac
Palmenpark vor Alicante – Park aus dem Märchenland

Aus Alicante selbst kann ich nicht viel berichten. Auf der Durchreise konnte ich nichts Aufregendes entdecken, außer einem riesigem Yachthafen, der den Blick zum Meer verstellt. Der Palmenpark aber etwa 10 km außerhalb von Alicante ist eine Sehenswürdigkeit. Ein riesiger Botanischer Garten mit Wasserfall. Dieser Park hat mir sehr imponiert.

Jede Menge Salzgewinnung auf dem Weg nach Torrevieja
Der Fahrradweg von San Javier nach Murcia, die Autobahn ist begradigt, der Radweg .. nicht
Murcia – die Blumenstadt – in einem der trockensten Gebiete Spaniens

Andalucia

Mitten im Juni – die Sierra Nevada bei Granada

Endlich in Granada, die unglaubliche Stadt, in der die Vergangenheit die Gegenwart berührt. Alles in dieser Stadt atmet Alhambra, die gotische Kathedrale steht in dessen Schatten, nicht nur historisch,sondern auch topologisch in der unteren Altstadt. Der Campingplatz liegt 10 km außerhalb auf einer Anhöhe, von welcher man in der Abendsonne die Alhambra sehen kann.

Granada steht auch heute noch im Schatten der Alhambra
Zugang zu einem der zahlreichen Gärten in der Alcazaba in der Alhambra
Jeder Kalif baute neue Gärten mit immer wieder eigenen Stilen in der Alhambra

Weiter geht es nach Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens. Diese Stadt gehört zu den drei historischen Städten Córdoba, Granada und Sevilla. Mich erwartet ein sagenhafter Reichtum an gewaltigen Gebäude, Plätzen und Parkanlagen. Man taucht ein in eine Welt, in der man in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart leben und fühlen kann. Allein die Tatsache, dass Sevilla eine der größten Innenstädte Europas hat deutet an, was man darin alles entdecken kann. Obwohl auch hier touristisch sehr gut besucht, fällt diese Menge an Menschen allenfalls nur dann richtig auf, wenn man eine Eintrittskarte in den Palácio Real El Alcázar lösen will und etwa eine Stunde Wartezeit in der Sonne in Kauf nehmen muss. Aber es gibt eine Lösung und die heißt auch hier: Vorkauf im Internet. Ansonsten kann man vielem viele Tapas Bare entdecken. Man kann sich verlaufen, aber mit dem Fahrrad ist es ein wunderschöner Tagesausflug. Es lohnt sich, hier mehrere Tage zu verbringen.

Sevilla – die alte Universität
Sevilla- der Plaza de España – ein klein Venedig
Im Palácio Real de Alcázar in Sevilla – wieder wunderschöne Gärten und Höfe

Auf dem Weg nach Portugal durchquert man die Naturparks von Doñana und Odiel. Sie sind mit dem Auto nur begrenzt zu durchfahren, aber Fußgänger und Radfahrer sind erlaubt. Ein Naturschauspiel der besonderen Art. Speziell der Park de Odiel ist riesiges Rückzuggebiet für alle Vogelarten, die hier auf dem Weg von Afrika nach Nordeuropa Rast und Brutzeit einlegen.

Die Marismas del Odiel sind nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen – ein Naturpark und Vogelnistplatz für viele Zugvögel

Teil 3: Von Badajoz nach Salamanca

Estremadura

Das Stadttor von Badajoz

Welch ein Unterschied, aus der Stadt Elvas in Portugal nach Badajoz zu fahren. Hier herrschen wieder die unifarbenen Hochhäuser, ist das Leben in der Sonne mittags ausgestorben. Will nicht heißen, dass der Plaza de España als zentraler Platz nicht seinen majestätischen Reiz ausstrahlt.

Übrigens: Wer durch Spanien fährt, der soll mal versuchen, eine Stadt zu finden, die keinen Plaza de España besitzt. Um ehrlich zu sein, ich habe keine kleinere und mittlere Städte gefunden, die einen solchen Platz NICHT haben. Man stelle sich vor, in Deutschland hätte jeder mittlere Stadt einen Deutschlandplatz. Mein Schreibprogramm zeigt bei diesem Wort einen Schreibfehler an, – auch ein Zeichen.

Mérida – Haupstadt Lusitaniens in der Römerzeit mit seinem Theatron

Ich habe auf meiner ganzen Reise keine Stadt gesehen, die so sehr von den Ausgrabungen der Römer geprägt ist wie Mérida, ca 60 km nördlich von Badajoz in der Estremadura gelegen. Das Amphitheater allein wird als Kulisse für ein Freilufttheater wieder aufgebaut. Wie man im Bild oben sehen kann, ist auch das zweite Stockwerk der Kulisse fast soweit fertiggestellt, dass es als Theaterbühne mit integriert werden kann.Wirklich sehr beeindruckend, sodass ich gleich mehrere Tage hier verbrachte.

Schnurgerade die Straße (mit dem Standstreifen als Fahrradweg) nach Cáceres

Cáceres – wer weiß schon, dass Cáceres das Rückzuggebiet von Franco war? Sie nahm beim Putsch unter Franco am 17.07.1936 eine zentrale Rolle ein, denn sie unterstützte den Putsch, – die erste Aktion bestand darin, erst einmal jeglichen Widerstand brutal zu unterdrücken. Die erste Aktion der Militärs war, 600 Oppositionelle in der Stadt zu ermorden (!). Die Grenzstädte nach Portugal wurden sofort okkupiert, unter anderem Mérida und Badajoz, viele Menschen erschossen. Dass Cáceres über ein Jahr lang auch das Hauptquartier Francos war und dass deutsche Waffenlieferungen über Sevilla nach Cáceres geliefert wurde, wird heute nicht mehr sichtbar. Hat solch eine Stadt ein schlechtes Gewissen? Ich glaube nicht, wir würden in München angesichts unserer Geschichte erst recht ein schlechtes Gewissen haben müssen.

Gänsegeier am Straßenrand vor Cáceres

Castilla y Leon

Salamanca – die klerikale Hochschulstadt

Teil 4: Von Salamanca nach San Sebastian / Donostia

Und wieder Sonne, Weite, Monokultur – hier zwischen Salamanca und Tordesillas
Die alte Stadt Tordesillas am Duero

Abgesehen davon, dass Tordesiilas eine sehenswerte Stadt ist, liegt diese Stadt am Fluss Duero, der als Douro in Portugal durch das berühmte Weingebiet des Portweines fließt. Es gibt schöne Parkanlagen und der Campingplatz liegt direkt am Fluss mit Blick auf die Altstadt. Aber ich frage mich, wer regelt eigentlich die gerechte Teilung des Wassers zwischen zwei Länder?

Der Kampf ums Wasser

Welch ein Machtfaktor ist der Besitz von Wasser, wenn der andere im Unterlauf eines Flusses auch von dem Wasser abhängig ist – gerade in Zeiten, wo jeder der benachbarten Staaten Stauseen baut, um Klimaschwankungen auszugleichen. Ich verstehe, dass ein Fluss durch mehrere Staaten schon immer auch Kriegsgrund gewesen war und immer noch ist. Der Staat, der den Oberlauf besitzt, hat es letztlich in der Hand, zu bestimmen, wieviel Wasser durchgelassen wird. Zwar verpflichtete sich Spanien im Abkommen von Albufeira 1998 dazu, eine Mindestmenge an Wasser aus den Flüssen nach Portugal durchzulassen. Doch das Abkommen sieht auch Ausnahmen vor, von denen Spanien immer wieder Gebrauch macht, z.B. wenn Dürresituationen die profitträchtigen Obstplantagen um Valencia oder die Blumenplantagen um Murcia in Gefahr bringen. Auch sonst hält Spanien ca. 40 Prozent des Wassers, welches eigentlich nach Portugal fließen würde, in 880 Wasserprojekten zurück – mit verheerenden Auswirkungen für die Ökosysteme der Wasserunterläufe.

Stadtstrand am Pisuerga in Valladolid
Auch hier am Pisuerga verläuft der EuroVelo 1
Die gotische Kathedrale in Burgos. Dort ist El Cid aufgebahrt
Zwischen Burgos und dem baskischen Hinterland nur Erde und Himmel und Einsamkeit

Euskadi

In den baskischen Ausläufer der Pyrenäen – hier südlich von Miranda del Ebro
Bizarre Felsformationen im baskischen Hinterland. Der Fahrradwer verläuft hier auf dem Seitenstreifen der N1, eine viel befahrene und daher aute Route.
San Sebastian, die mondäne Grenzstadt mit eigenem Badestrand

Es stimmt: Durch Spanien zu fahren, ist so sehr anders, als durch Portugal oder Frankreich zu radeln. Aber es hängt auch sehr stark von der Gegend/der Provinz ab, welche Flora, welche Landschaft, ja sogar, welche regionale Kultur man entdecken kann. Während im Binnenland oft weite, eintönige Landschaften vorherrschen (vor allem in Estremadura, Castilla und Castilla y Leon), sind die Landschaften an der Küste mitunter ungemein vielfältig. Dabei spielt immer die Landwirtschaft eine gewichtige Rolle. Monokulturen versus Mischkulturen. Beide Seiten gehen fast immer mit den Besitzverhältnissen einher. Großgrundbesitz versus Kleinbauern. Das mit dem Fahrrad zu entdecken, ist besonders intensiv, weil alle Geruchswechsel, Schatten- und Sonnenwechsel auf dem Fahrrad besonders stark wirken.

Das alles ist ungemein reizvoll und bereichert.

Radfahren in Frankreich

Teil 1: Von Genf ans Mittelmeer
Teil 2: Am Mittelmeer
Teil 3: Von Hendaye nach Royan
Teil 4: Von Royan nach Orleans
Teil 5 : Von Orleans nach Karlsruhe

Frankreich ist das Land, welches mitteleuropäisches Klima und Mittelmeerklima besitzt. Daher kann man auf einer Fahrradreise durch dieses Land erleben, wie die Flora, die Gerüche und die Landschaften sich langsam ändern. In der Mitte überwiegen die Laub und Fichtenwälder, im Süden sind es die Pinienwälder und Lavendelfelder. Die Luft wird warm, dazu kommen im Süden die vielen Étangs, das sind Lagunen, die aus dem Mittelmeer gespeist werden. Auch die Fauna ändert sich, Flamingos und Reiher sind plötzlich zahlreich zu sehen. Sie stochern in den Lagunen nach Nahrung.

Teil 1: Von Genf ans Mittelmeer

Im französischem Jura Gebiet

Ich fahre von Genf nach Perpignan, durch das Jura, die Rhône hinunter, an der Mittelmeerküste entlang.

Immer wieder wird die Rhone durch Staustufen unterbrochen – wie hier bei Seysell

Die Rhône (auf französisch Le Rhône) ist einer der am meisten benutzten Flüsse in Frankreich mit 550 km Länge. Fünf Kernkraftwerke und eine größere Nuklearanlage in Marcoule benutzen das Rhônewasser zur Kühlung. Allein das Unternehmen CNR unterhält neunzehn Wasserkraftwerke an der Rhône.

Die Rhone als wilder Bergfluss bei Chanaz
Strassenlampenschmuck in Villefontaine – sog. Shoefiti. Wenn jemand weiß, warum die Schuhe aufgehängt werden, bitte mir schreiben. Eine Legende besagt, dass dies Schuhe sind, die beim Skaten oder BMX Fahren durch das Bremsen besonders schnell abnutzt sind.
Kein Fahrradweg auf dem Strecke nach Lyon

In Lyon gesellt sich die Saône zur Rhône, es wird ein breiter Strom, die Schifffahrt nimmt zu. Neben dem Fluss aber verlaufen die Voies Vertes, durch Buchen- und Birkenwälder verlaufende Fahrradwege. Sie werden rege besucht. Von Nord nach Süd wird man unterstützt durch den Mistral, ein mitunter heftig wehender Wind.

Voie verte von Lyon nach Avignon
Straßenmotiv in Valence
Schuhmuseum in Valence
Der Lavendel erblüht – hier bei Orange
Steilfelsen mit Burg bei Mornas /Rhone

Auch das gibt es: Mornas, ein planerischer Sündenfall, der unterstreicht, dass Straßenbau oft auf Kosten der einheimischen Bevölkerung geht: Unterhab der Burg befindet sich die alte Kleinstadt Mornas, ein Juwel vergangener Zeit. Heute schmiegt sich am Felsen mitten durch die Stadt die Eisenbahnlinie der Strecke Paris-Marseille, auf der anderen Seite der Stadt die Hauptverkehrstraße N7 und nur 200 Meter weiter die A7, die Autobahn von Lyon nach Marseille. In der Stadt selbst kann man sein Wort nicht verstehen, so laut wechseln sich Autolärm mit Güterzügen und TGVs ab.

Das Amphitheater in Orange
Avignon… sur le pont

Teil 2: Am Mittelmeer

Am Meer in La Grande Motte

Am Mittelmeer angekommen. Ab jetzt wechseln sich die Lagunen und Sandstrände ab. Aber die Stranddörfer sind Urlaubsunterkünfte, die meisten für Besuchern der großen Städten Nîmes, Montpellier und Narbonne.

Die Voies vertes durch die Étangs im Süden
Am Canal du Midi
Große Lagunen bei Leucate
Via Domitia über die Pyrenäen bei Villeneuve-de-la-Raho

Ein Fahrradweg schlängelt sich von Perpignan die Pyrenäen hoch. Vorher erreicht man noch den Ausflugsort Villeneuve-de-la-Raho, ein großer Baggersee mit einem Fitnesspark. Es ist der alte römische Handelsweg Via Domitia. Oben auf dem Gipfel beginnt Spanien.

Teil 3: Von Hendaye nach Royan

Die Steilküste im Golf von Biscaya

Biscaya ist die Bucht um San Sebastian bis Bayonne. Sie ist geprägt von einer Steilküste. Auf der Westseite in Frankreich kann man abends wunderbare Sonnenuntergänge beobachten.

Durch die Gascogne an der Küste entlang

Die ‚Les Landes‘ bestehen aus aufgeforstetem Kiefernwald. Kleine Fahrradwege durch den Wald erlauben es, auf dem EuroVelo1 (in Frankreich auch Velodyssée genannt) weg ca 200 km nach Norden zu radeln. Die Gegend ist stark bedroht durch Waldbrände. Sehr imponiert hat mir daher, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um die Gefahr einzudämmen. Neben großen Schneisen sind vor allem Baumerdbeere angepflanzt worden. Diese sind immergrüne Bäume und dämpfen eine Fortpflanzung des Brandes deutlich.

…im Wald 200 km lang – in der Gasgogne – die EuroVelo 1
Baumerdbeeren werden gegen die Waldbrandgefahr angepflanzt
Erhabene Düne – hier in Pyla, Europas höchste Düne

Vor der Bucht von Arcachon – Europas größte Austernbänke- wieder ein Superlativ: die höchste Düne Europas – Pyla. Sie wandert langsam landeinwärts. Unvergessen der Sonnenuntergang auf dem Gipfel der Düne.

Die Kanonenbatteri Fort des Arros Soulac, die die deutsche Marine 1942 erbaut hat und deren Erstürmung durch die französischen Kräfte im April 1945 ca 1000 Soldaten auf beiden Seiten das Leben gekostet hat.

Die Küste von Bayonne nach Royan ist voll von Bunker, die die deutsche Marine in den 40-50- Jahren gebaut hat. Eine gut erhaltene Kanonenbatterie kann man in Soulac-sur-Mer sehen. Sie ist als Denkmal ausgebaut und ein gutes Wahrzeichen über die Sinnlosigkeit des 2. Weltkrieges. Der Bunker war so gebaut, dass er nur in Richtung See verteidigen konnte. Bei der Eroberung durch französische Truppen im April 1945 starben ca 1000 Soldaten auf beiden Seiten. Man frägt sich zurecht: warum?

Teil 4: Von Royan nach Orleans

Das Amphitehater in Saintes

Saintes an der Charente war im römischen Reich immerhin die Hauptstadt der Saintonge, Das kann man an den Ausgrabungen noch erkennen. Das wuchtige Amphitheater war eines der monumentalsten Theater, welches die Römer damals erbaut haben. Heute ist die Stadt eine eher unbedeutende, aber sehr sehenswerte Stadt, vielleicht noch bekannt durch eben diese Ausgrabungen als alte Kulturstadt der Saintogne.

Felsenhöhlen an der Loire (1)

Auf dem Weg von Saintes nach Saumur an der Loire passierte ich u.a. Niort, Parthenay, Thouars. Diese Stätte liegen im Landesinneren und die Landschaften sind geprägt von einer großflächigen Landwirtschaft und vor allem den ländlichem Strukturwandel. Die Dörfer sterben aus, weil die Infrastruktur ausstirbt. Das aber kennen wir auch in Deutschland, speziell Niederbayern.

Die Städte selbst aber sind total sehenswert, speziell Thouars, welches sich bereits im Einzugsbereich der weiteren Loire befindet. Hier kann man bereits des öfteren den Pruk der alten Schlösser sehen, wie z.B in Montreuil-Bellay.

Felsenhöhlen an der Loire (2)

An der Loire sind drei Dinge zu sehen: alte, reiche Städte (Saumur, Tours, Amboise, Blois, Orleans), viele Burgen (es sind wirklich viele, jede hatte ihr kleines Reich zu verwalten) und die wunderschönen Felsenhöhlen, die heute überwiegend als Kunstateliers und Sektkellereien verwendet werden.

Das Schloss von Saumur (Loire)
Das Schloss von Amboise
Die Kathedrale von Blois
AKW bei Blois
Die Kathedrale von Orleans,
Trambahnen mit induktiver Stromzufuhr

Teil 5: Von Orleans nach Karlsruhe

Der nächste Sprung erfolgt von Orleans nach Troyes, vorbei an Montargis und Sens. In Sens spürt man den Einfluss Paris‘, es ist nur noch 80 km davon entfernt. Diese Strecke hat ein eigenes Flair, denn es ist unterwegs einsam, es geht hügelig rauf und runter. Allerdings auf Autostraßen, hier gibt es keine ausgewiesenen Fahrradwege. Die mitteleuropäische Flora hat mich mittelerweise wieder fest im Griff.

In der Innenstadt von Troyes

Troyes hat mehrere sehr große, alte Kirchen und eine Kathedrale. Daneben aber eine Innenstadt, die wirklich mittelalterlich anmutet. Ich finde, ein Besuch wert.

Oktoberfest in Froncles mit 100 verschiedenen Bieren

Mitten in Grand Est geht es durch den Parc Naturel Régional de la Forêt d’Orient, ein großer Naturschutzpark mit vielen Stauseen. Hier sind die Fahrradwege wieder gut ausgebaut und führen auf den Uferbefestigungen der Seen. Mit dem gestautem Wasser werden die Flüsse, wie die Mosel, für die Schifffahrt reguliert. Hin und wieder gibt es Parkanlagen für Ausflügler, sehr schön, mit Strand, Parks und Campingplätzen versehen.

Das Münchner Oktoberfest hat auch in den kleinen Gemeinden in Frankreich Einzug gehalten. Hier wirbt man allerdings nicht für das Münchner Bier, sondern mit vielen Hunderten Sorten Bier aus Nordfrankreich und Belgien.

In der gold verzierten Innenstadt von Nancy

Eine prunkvolle Stadt ist Nancy, eine der größten Universitätsstädte in Frankreich. Die Innenstadt glänzt vor Goldverzierungen, die auch Laternenmasten erfassen. Der Campingplatz liegt vier Kilometer vor Nancy auf einem steilen Berg, eine kleine Herausforderung für tägliche Besichtigungen in der Stadt.

Am Marne-Rhein Kanal bei Lutzelbourg

Ich fahre weiter am Marne-Rhein Kanal. Er verläuft leicht abwärts und ist beliebtes Ausflugsgebiet für Yachten und Familienväter, die sich als Kapitän fühlen wollen. Das erspart mir das Überqueren der Vogesen. Zahlreiche Staustufen bewirken, dass ich mit dem Fahrrad ungefähr doppelt so schnell an dem gut ausgebauten und wunderschönen Fahrradweg fahren kann. Ich treffe dann auf den Rhein, neben dem auf den beiden Länderseiten der EuroVelo 15 durch die Rheinauen führt.

Radfahren in der Schweiz

Überblick:
Teil 1: Von Kreuzlingen nach Biel
Teil 2: Von Biel nach Genf

Teil 1: Von Kreuzlingen nach Biel

Obstbäume, wohin das Auge blickt um den Bodensee – es ist Frühling

Nach dem Übertritt einer Grenze nehme ich Veränderungen wahr, wie eine andere Währung, eine andere Sprache, andere Häuser- und Gebäudearchitekturen, Straßenmarkierungen, Straßenschilder, Werbeplakate, andere Gebote und Verbote. Man könnte ganze Quizsendungen mit der Abfrage von Unterschieden der Länder machen, die auf die reine Wahrnehmung dieser Dinge beruhen. Diese Dinge machen einen neugierig, wie ich finde.

Zürich: Der Limmat von der Quaibrücke

Zürich ist eine sehr quirlige Universitätsstadt am Züricher See. Hier ist die Studentenschaft sehr aktiv, es gibt eine lebendige politische alternative Kultur, und die Unis haben ein sehr gutes internationales Ranking, allen voran die ETH, die Eidgenössische Technische Hochschule. Diese ist weit über die Landesgrenzen bekannt für viele innovative Forschungsprojekte.

Fahrradwege, fast so breit wie die Straße, gut markiert
Die Schloss Wildegg in Holderbank
Die Festung Aarburg in Aarburg
Frühling an der Aare
An der Aare
An der Aaare, auf der Aaretour

Ich fahre am Limmat entlang, eine relativ flache Radstrecke von Zürich nach Brugg, dann mündet der Fluss in die Aare, die ich bis Biel entlang flussaufwärts fahre. 200 km gemütliches Radeln, im Frühling ein großer Spass.

Kernkraftwerk Gösgen im Kanton Soluthurn
Biel, die Uhrenstadt
Biel/Bienne, die Uhrenstadt im Kanton Bern
Biel / Bienne ist Grenzstadt der Zweisprachigkeit

Biel/Bienne ist eine bemerkenswerte Stadt mit einer malerischen Innenstadt und einer Hochschule, auch die Uhrenindustrie hat hier ihren Sitz. Die Stadt selbst kokettiert mit der Zweisprachigkeit. Ich entdecke ein Café, das auch am Sonntag geöffnet hat und wirbt: „Ouvert le Sonntag 8h00 – 13h00“.

Teil 2: Von Biel nach Genf

Ähnlich wie die Rhône/Rotten im Genfer See, durchfließt die Aare nur den Bieler See, die Aare selbst entspringt in den östlichen Berner Alpen, kommt in Hagneck in den See, tritt in Biel wieder aus in Richtung Koblenz, wo sie dann in den Rhein fließt, immerhin 288 km lang.

Am Lac de Morat – Murtensee, der kleinste der Seen am Rande des Jura, neben Lac Neuchatel und Lac de Bienne.
Straßencafé in Yverdon-les-Bains

Die Strecke um Yverdon ist sehr schön zu fahren, relativ flach am Ufer der beiden Seen entlang. Ich fahre auf Feldwegen, durch verschiedene Salatanpflanzungen und Gemüsebeete. Man sieht und hört von weitem Menschen, die augenscheinlich Saisonarbeiter sind und in ihren verschiedenen Sprachen reden. Sie knien oder liegen auf den Pflückmaschinen, unter ihnen die Beete.

Stadtlauf am Genfer See in Lausanne
Lausanne, eine der drei mondänen Städte am Genfer See (neben Montreux und Genf), liegt hoch oben auf dem Berg, hier in der Innenstadt
Der Sturm peitscht an den Ufern des Genfer Sees
Jede Großstadt hat ihr Wahrzeichen – hier Genf

Genf ist wirklich eine sehr internationale Stadt, ganze Straßenzüge bestehen aus Restaurants mit Spezialitäten aus der ganzen Welt. Auch zum Einkauf kann sich jeder aussuchen, aus welchem Laden welchen Landes heute das Essen zubereitet werden soll. Genf ist aber für mich unwirklich teuer, das Preisniveau liegt noch etwas höher als in Lausanne. Das liegt natürlich zum Teil auch am ungünstigen Wechselkurs von Euro zu SFR.

Die grüne Grenze nach Frankreich

Ich fahre südlich der Rhône in die Berge nach Frankreich und finde dort einen Campingplatz. Nur ein Schild mitten in einem Wäldchen mit der Aufschrift, „Grenze, sie dürfen nur passieren, wenn sie gültige Papiere besitzen“ deutet an, dass hier ein anderes Land beginnt, eine sogenannte grüne Grenze, unkontrolliert, ein Feldweg.

Radfahren in Westdeutschland

Überblick:
Teil 1: Von Heidelberg nach Köln
Teil 2: Von Köln nach Unna
Teil 3: Von Unna nach Gronau

Der Begriff Westdeutschland ist etwas schwierig abzugrenzen. Auf meiner Reise rund um Deutschland und den Niederlanden behandelt dieser Abschnitt meine Fahrten von Heidelberg bis Enschede in den Niederlanden. Meine Strecke südlich von Heidelberg kann man hier nachlesen, die nördlich von Enschede hier.

Meine letzte Tour durch Deutschland machte ich im Sommer 2019.

Teil 1: Von Heidelberg nach Köln

Baden Württemberg

Ich beginne meinen Beitrag durch Baden-Württemberg in Heidelberg, der alten Schloss- und Universitätsstadt auf den Weg nach Mannheim.

Am Neckarkanal in Mannheim
Das Schloss in Mannheim

Rheinland-Pfalz

Ab Mannheim will ich die Abkürzung nach Bingen nehmen, also Mainz links liegen lassen, was ich deshalb bereue, weil quer durch die Pfalz die Strecken sehr anspruchsvoll sind (hügelig mit steilen Abschnitten) und zu dem auch noch starker Gegenwind herrscht. Überhaupt ist nachmittags an ein gemütliches Radeln nicht mehr zu denken. Ab drei Uhr fängt der Wind an zu blasen und artet mehr als nur einmal zu einem veritablen Sturm aus. Leider ist keine Erntezeit für den Wein, sonst würde ich die vielen Pfälzer Weinverköstigungen auf dem Weg erleben.

Der Campingplatz bei Bad Dürkheim
Eine typische pfälzer Speisekarte
Das größte Weinfass in Bad Dürkheim, immerhin mit 1,7 Mio l Fassungsvermögen – als Restaurant umgearbeitet
Durch die Weinberge – hier bei Freinsheim
… aber auch landwirtschaftliche Versuchsfelder mit schwer zu befahrenen Radwegen, hier bei Mölsheim
… oder hier,- nur die strapazierbaren Reifenmäntel können überleben .
Alzey – die Fachwerkhäuser in der Innenstadt
Alzey – es kommen nicht sehr viele Touristen hierher
Der Nahe Zufluss in den Rhein bei Bingen
Das Schloss Burg Rheinstein gegenüber Assmannshausen
Auf der Euro 15 mit vielen Burgen rechts und links des Rheines. Gut ausgebaut, aber laut durch zwei Zugstrecken und Autostraßen – der Fahrradweg entlang des Rheines
Blüchers Rheinübergang bei Kaub, die Gedenktafel. 1814 überschritt hier Blüchers Armee den Rein, um die französische Armee von Napoleon anzugreifen.
Burg Schönburg bei Oberwesel, welche heute ein Nobelhotel ist
Überfüllte Rheinufer – wie hier an der Loreley

Etwas enttäuscht bin ich von der Rheinstrecke zwischen Bingen und Köln, vorbei an der Loreley, Koblenz. Ich erinnere mich von früher, dass das Rheintal wunderschön ist, – zumindest aus dem Zugfenster gesehen. Aber da hört man nicht, dass es auf beiden Seiten eine Bahntrasse gibt, über die der komplette Nord-Süd Güterverkehr roll – auch nachts, wenn man auf einem der relativ schmalen Campingplätze im Zelt liegt und versucht zu schlafen. Da auch noch eine Bundesstraße am Rhein liegt, benötige ich tatsächlich Ohrstöpsel, um einigermaßen ausgeruht aufzuwachen. Ich verstehe nicht, wie Menschen dort wohnen können, zumal das Tal relativ dicht besiedelt ist. Bis Bonn sind dann eine Burg nach der anderen zu sehen, ein Schloss nach dem anderen. Der Radweg, de EuroVelo Weg 15 ist natürlich gut ausgebaut und auch sehr gut befahren.

Die Innenstadt von Boppard am Rhein

Aber man merkt, dass hier Geschichte geschrieben worden ist. Das Schloss Burg Rheinstein, Blüchers Gedenktafel, die Brücke von Remagen, die Burg Auf Schönberg“ , die Villa Hammerschmidt, all diese geschichtsträchtigen Bauwerke liegen direkt am Weg.

Schloss Stolzenfels bei Lahnstein
AKW Mühlheim-Kärlich bei Koblenz, – in Koblenz wird die Euro 15 kurzfristig unterbrochen und man muss seinen Weg selber suchen.
Dann geht es wieder weiter am Rhein- auf den Weg nach Bonn – Köln
Der rechtsseitige Brückenkopf der Brücke von Remagen. Um den Vorstoß der Westalliierten zu stoppen, versuchte die Wehrmacht noch im März 1945 die Brück zu zerstören. Umsonst. Als die Alliierten auf die andere Seite übergesetzt hatte, stürzte sie schließlich doch ein. Im Film von David Wolper 1969 und dem Roman von Rolf Palm, beide mit dem Titel ‚Die Brücke von Remagen‘, wird das sinnlose Schlachten in diesen Tagen geschildert.

Teil 2: Von Köln nach Unna

Nordrhein-Westfalen

Köln Deutz- der Bahnhof, 1859 eingeweiht, wird im Volksmund als „Muusfall “ (Mausefalle) bezeichnet
Die Silhouette von Köln, Blick von den Rheinauen rechtsseitig des Rheins

Rein ins Bergische

Mein Ziel ist es, von Köln aus ins Bergische zu fahren, genauer nach Hückeswagen bei Remscheid, um meinen Bruder zu besuchen. Danach soll es weitergehen nach Münster, wo meine Tochter wohnt. Von Münster aus will ich dann in die Niederlande radeln, d.h. bei Enschede die Grenze überqueren Es ist eine Entscheidung, die durch eine hügelige Landschaft führt, bis nach das Münsteraner Flachland beginnt.

Die ehemalige Eisenbahnstrecke nach Hückeswagen mit diesem ehemaligen Eisenbahntunnel, heute eine wunderschöne Fahrradstrecke im Wald

Den Abstecher von Köln nach Bergisch Gladbach und Hückeswagen mache ich auf einer stillgelegten Bahntrasse. Sie ist asphaltiert und trotz der hügligen Landschaft geradlinig zu befahren. Dieser Weg ist absolut empfehlenswert und wenn ich dann in einen ehemaligen Bahntunnel eintauche, kann ich mir die alten Dampflokzüge noch vorstellen, wie der Qualm die Rundbögen des Tunnels schwärzt.

Die Müngstener Brücke über die Wupper bei Solingen. Sie ist immerhin die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands mit 107 Metern. Sie wurde bereits 1897 eröffnet und verbindet auch heute noch Solingen und Remscheid.
Im LWL Freilichtmuseum bei Hagen kann man alte Werkstätten, wie Seilereien, Schmieden und Mühlen u.v.a. besichtigen.
Liebevoll sind im LWL Freilichtmuseum bei Hagen die alten Handwerks-Werkstätten wiederaufgebaut worden. Sie stammen fast alle aus dem Ende des 20. Jahrhunderts und man Vorführungen zeigen, mit welcher Mühe damals die einfachsten Gegenstände hergestellt wurden.

Teil 3: Von Unna nach Gronau

Fischmarkt in Unna Innenstadt

Runter ins Münsterland

Auf dem Weg nach Münster
Das historische Rathausaus dem 16 Jahrhundert in Werne, eine ehemalige Hansestadt
Norddeutsches Fachwerk in der Innenstadt von Werne, hier die Rückseite des Rathauses
Ohne Ankündigung! Ist Euch das auch schon passiert? Hier im Sommer 2019 in Overberge bei Bergkamen.

Weiter nach Münster über Lennep und Hagen – genau der Übergang vom auf und ab der hügeligen Landschaft in die münsteraner Ebene. Ab hier ist es im Wesentlichen flach, einzig der Wind weht stärker, – und natürlich mir entgegen, zumindest gefühlt.

Münster Innenstadt- hier die Lambertskirche

Münster ist eine der größten Universitätsstädte Deutschlands. Die gesamte Stadt ist drauf ausgerichtet, möglichst viele Student*Innen aufnehmen zu können.

Die schön hergerichtete Innenstadt zeugt von einer abwechslungsreichen Geschichte, in der der Westfälische Friedensschluss vom 24.10.1648 wohl einer der nachhaltigsten Ereignisse darstellt. Der Friedensschluss beendete den dreißigjährigen Krieg in Deutschland nd den 80 (!) jährigen Unabhängigkeitskrieg der Niederlande (gegen die spanische Krone)

Münster zählt auch als Fahrradstadt. Auch wenn viele Radwege vorhanden sind, gibt es allerdings wichtige Verbindungen, deren Radwege schlecht ausgebaut und / oder markiert sind.

Im Sommer 2018 verwandelte sich aufgrund der großen Hitze der Ausflugsort in Münster, der Aasee, in ein Massengrab für Fische und Wasservögel. Das stehende Wasser des Stausees hatte diesen so aufgeheizt, dass die Fische zum großen Teil verendeten. Über der Stadt stand einige Tage lang eine Dunstwolke der Verwesung.

Die Uni Münster im Schloss von Münster

Im Nordwesten von Münster auf dem Weg nach Enschede
Ein Outlet Center hinter einer historischen Fassade in der Laurenzstr. in Ochtrup
Die Fußgängerzone in Ochtrup
Die Kirche St. Antonius in Gronau. Hier herrscht das Flair einer Grenzstadt mit sehr vielen Einkaufsmöglichkeiten.

Von hier zur niederländischen Grenze ist es nicht sehr weit, über Ochtrup und Gronau, tauche ich ein in ein anderes Land, mit anderen Fahrradregeln. Die Grenze ist nicht zu spüren. Ich überquere eine Straße, die nur für Busse zugelassen ist, also auch nicht für Fahrräder. Aha, ich bin in den Niederlanden! Davon mehr im Beitrag „Radfahren in den Niederlanden“.